Arbeitsmarkt

Regierung erwartet Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2020

Es wäre der erste Anstieg seit 2013: Laut Finanzminister steigt die Zahl der Arbeitslosen 2017 um 110.000. Und dabei bleibt es nicht.

Die Schlangen in den Arbeitsämtern dürften nächstes Jahr wieder etwas länger werden, fürchtet das Finanzministerium.

Die Schlangen in den Arbeitsämtern dürften nächstes Jahr wieder etwas länger werden, fürchtet das Finanzministerium.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin.  Wegen der Flüchtlingszahlen wird die Arbeitslosigkeit nach Einschätzung der Bundesregierung in den nächsten Jahren zulegen. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf neue Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium berichtet, wird die Zahl der Erwerbslosen im kommenden Jahr um durchschnittlich 110.000 auf dann 2,86 Millionen steigen. Grund sei die „starke Migration“. Es wäre der erste Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 2013. Die Entwicklung sei aber schon in der Frühjahrsprojektion vom April vorausgesetzt worden und daher nicht überraschend, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Wie das Blatt weiter schreibt, wird sich die Zahl der Erwerbslosen nach Einschätzung der Bundesregierung bis 2020 auf durchschnittlich 3,1 Millionen erhöhen. Zugleich werde aber auch die Zahl der Beschäftigten steigen. Die Regierung gehe von einem Plus um gut eine Million auf 44,1 Millionen im Jahresdurchschnitt 2020 aus. Der Ministeriumssprecher verwies auf die nächste Prognose von Finanz-, Arbeits- und Wirtschaftsministerium im Oktober. Diese Zahlen lägen dann der Finanzplanung bis 2020 zugrunde.

Zu wenige Sprachkurse und Kita-Plätze für Flüchtlinge

Laut „Bild“ sind jedes Jahr Investitionen von etwa 3,5 Milliarden Euro nötig, um Mängel bei der Bildungsintegration von Flüchtlingen auszugleichen. Dies gehe aus dem Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hervor. Es fehlten unter anderem Sprachkurse sowie Kita- und Schulplätze.

Im Juli waren 141.000 geflüchtete Menschen bei den Jobcentern arbeitslos gemeldet, etwa 10.000 mehr als im Vormonat, hatte Detlef Scheele vom Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA) Ende des Monats berichtet. „Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge steigt derzeit monatlich in 10.000er-Schritten“, sagte er in Nürnberg. Für die kommenden Monate schloss die BA allerdings auch eine stärkere Zunahme nicht aus, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) inzwischen Fortschritte beim Abbau von Asylanträgen mache.

100.000 Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber

Das Bundeskabinett hatte im Juli ein Programm zum Aufbau von 100.000 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge verabschiedet. Es läuft über die BA und wird von der Regierung in den nächsten drei Jahren mit rund einer Milliarde Euro finanziert. Das Programm richtet sich vor allem an Asylbewerber, die nicht mit einer schnellen Asyl-Entscheidung rechnen können.

Zudem soll der Etat von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) 2017 um fast 8,8 Milliarden Euro (plus 6,8 Prozent) auf 138,6 Milliarden Euro steigen. Grund dafür sind unter anderem höhere Ausgaben für Sozialleistungen und Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge, die bald zunehmend als Hartz-IV-Empfänger geführt werden dürften, hieß es im März zu den Eckwerten des Finanzministeriums. (dpa)