Wirtschaft

Frisches Kapital für Schmuck aus dem 3D-Drucker

Jürgen Stüber über das Start-up „Stilnest“

Wenn die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB) ihre Schatulle öffnet und einem Start-up finanziell unter die Arme greift, lohnt es sich hinzusehen. Der Onlineshop Stilnest hat sich jetzt eine Wachstumsfinanzierung gesichert und damit zum zweiten Mal Kapital der Förderbank von der Bundesallee erhalten.

Seit der ersten Finanzierungsrunde im Jahr 2014 habe Stilnest die internen Prozesse vom Produktdesign bis zur Produktion optimiert und in der Vermarktung neue Methoden vorangetrieben, argumentiert die Bank, schweigt aber heute wie damals über die Höhe der gewährten Investition.

Stilnest verkauft Modeschmuck und setzt bei der Werbung auf angesagte Namen aus den Netzwerken YouTube, Instagram und Twitter. Die Social-Media-Stars bringen den Berliner Modehändlern Reichweite. Die Kollektionen werden in den sozialen Netzwerken nicht nur präsentiert, sie werden dort auch gemeinsam mit den „Influencern“ (so nennt man die einflussreichen Blogger), Designern und Kreativ-Ikonen entworfen. Die Kunden erhalten in gewisser Weise ein Schmuckstück direkt von ihrem Star.

Seit Stilnest diese Werbemethode praktiziert, ist der Umsatz gestiegen – schneller als das mit anderen Marketingverfahren möglich war. Der Trend habe sich 2016 fortgesetzt, was neue Investoren zum Einstieg bewogen habe. Die IBB investiert selten allein. Meist nimmt die Förderbank des Landes Ko-Investoren mit an Bord – das können Wagniskapitalunternehmen, Business Angel oder Vermögensverwaltungen wohlhabender Familien (Family Offices) sein. So gelingt es ihr, den eigenen Beitrag zu vervielfachen. Seit 1997 hat die Bank nach diesem Verfahren 157 Millionen Euro selbst investiert, und zusammen mit ihren Partnern 1,1 Milliarden Euro. Für ihre Finanzpartner hat das den Vorteil, dass sie erfolgversprechende Investitionsgelegenheiten finden. Denn für Außenstehende ist das Berliner Start-up-Ökosystem inzwischen recht unübersichtlich geworden.

Im Fall von Stilnest haben sich das Schweizer Family Office Wille AG und der Münchner Business Angel Daniel Wild (Tiburon Unternehmensaufbau GmbH) beteiligt, der bereits in mehr als hundert Start-ups investiert hat. Darunter waren das Geschäftsnetzwerk Xing und die Hotelsuchmaschine Trivago. Auch die Altinvestoren K-Invest (Katalogversandhändler Klingel) und Alfred Möckel beteiligten sich wieder. Stilnest ist nicht nur beim Marketing innovativ. Auch die Produktion ist durchdigitalisiert. Sechs Wochen nach der ersten Skizze ist der Schmuck im Verkauf. Das Unternehmen nutzt Technologien wie den 3D-Druck (Edelmetall und Kunststoff) und CAD (computerunterstütztes Design). Diese Technologien machen eine Produktion auf Bestellung möglich. Stilnest liefert nach eigenen Angaben bereits in 60 Länder und will mit dem frischen Kapital seine Reichweite ausbauen.