Exporte

Deutscher Wirtschaft graust vor einem US-Präsidenten Trump

Industrie und Banken fürchten Handelskrieg und Rezession. Deshalb positioniert sich die deutsche Wirtschaft klar gegen Donald Trump.

Donald Trump hat in Detroit seine Pläne für die Wirtschaftspolitik vorgestellt. Die deutsche Wirtschaft blickt kritisch auf seine Ideen.

Donald Trump hat in Detroit seine Pläne für die Wirtschaftspolitik vorgestellt. Die deutsche Wirtschaft blickt kritisch auf seine Ideen.

Foto: Elaine Cromie / dpa

FRANKFURT.  Die deutsche Wirtschaft ist normalerweise diplomatisch, ja sogar ängstlich, wenn es um politische Urteile über das Ausland geht. Man könnte schließlich den Zugang zu Absatzmärkten verlieren. Insofern ist bemerkenswert, wie deutlich die Worte werden, wenn es um Donald Trump geht. Ein regelrechtes Grauen geht durch die Industrie und Banken, wenn sie auf die außenhandelspolitische Strategie des US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner angesprochen werden.

Martin Moryson, der Chefvolkswirt der Bank Sal. Oppenheim, spricht zum Beispiel von „Gift für die Wirtschaft“, sollte sich Trump damit durchsetzen, die US-Wirtschaft abzuschotten. In der Folge sei „die Gefahr groß, dass Protektionismus und Nationalismus auch in anderen Ländern – und sei es nur als Reaktion darauf – um sich greifen“.

Maschinenbau will Handelsabkommen retten

Trump kündigt schon seit längerer Zeit an, die Handelsverträge mit Kanada, Mexiko und China aufzukündigen, falls er die Wahl gewinne. Nun geht er auch das europäisch-amerikanische Handelsabkommen TTIP an, dessen Zukunft ohnehin ungewiss ist. Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), geißelt solchen Protektionismus: „Wenn der Präsidentschaftskandidat das so wahr machen würde, da kann man als Vertreter der deutschen Wirtschaft große Sorgen bekommen“, sagte Treier dieser Zeitung.

Beispiel Maschinenbau: Kurzzeitig war China der wichtigste Auslandsmarkt dieser wichtigen deutschen Industriebranche. Seit dem vorigen Jahr haben die Vereinigten Staaten wieder diese Rolle eingenommen. Für 16,8 Milliarden Euro haben hiesige Maschinenbauer voriges Jahr nach Amerika geliefert. Es könnte mit TTIP noch mehr werden, weil sie dann günstiger anbieten könnten. Eine Milliarde Euro Zölle würden die Maschinenbauer mit einem Freihandelsabkommen sparen. Käme es nicht, „würde uns das natürlich betreffen, stark sogar“, sagt Ulrich Ackermann, der Chef der Außenhandelsabteilung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Denn die Vereinigten Staaten seien seit 2015 nicht nur wieder wichtigster Exportmarkt, sondern auch wichtigster Standort von Auslandsinvestitionen der Maschinenbauer, die dort Werke gebaut oder gekauft haben: „Und wenn hier Sand ins Getriebe kommt, hat das natürlich erhebliche Auswirkungen.“

Höhere Zölle in den USA könnten eine Krise auslösen

Klare Worte wählt auch Stormy-Annika Mildner, Abteilungsleiterin Außenwirtschaftspolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Das wirtschaftspolitische Wahlprogramm des republikanischen Präsidentschaftskandidaten ist nicht überzeugend“, sagt sie. Und: „Die handelspolitische Agenda ist aus Sicht der deutschen Industrie mehr als enttäuschend.“ Rudolf Beesch, der für die Deka Bank die Lage in Amerika beobachtet, malt die Folgen höherer Zölle für Amerika so aus: Dann würden die Einfuhrgüter teurer werden, das schürte die Inflation. „Die könnte die Zentralbank nicht einfach so schulterzuckend hinnehmen“, so Beesch. Die Zentralbank müsste im Gegenteil massiv die Leitzinsen anheben. Und eine tiefe Rezession wäre die Folge, sagte er dieser Zeitung.

Auch die Position der deutschen Autoindustrie ist im Grundsatz klar: Der Abbau von Handelsschranken fördere den Wettbewerb zwischen beiden Seiten des Atlantiks, der Verbraucher bekomme mehr Auto für sein Geld. Der Chefvolkswirt des Elektronikverbandes ZVEI, Andreas Gontermann, erklärt etwas indirekt: „Freihandel und offene Märkte sind der Motor für Fortschritt, Wachstum und Wohlstand.“ Die Branche hatte voriges Jahr in den USA wieder ihren größten Abnehmer gefunden: Auf 15,9 Milliarden Euro summierten sich die Exporte, 16,4 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr.

DIHK-Vizechef Treier hat denn auch einen Tipp für Trump bereit: „Jeder Geschäftsmann sollte wissen, dass man Geschäfte nicht alleine macht.“ Das gelte nicht nur innerhalb eines Landes, sondern auch für das Verhältnis zwischen den Staaten. Und Trump sei ja „eigentlich“ auch ein Geschäftsmann. Das klang ganz so, also sollte Trump das mit der Politik lieber bleiben lassen und sich wieder auf seine Unternehmen konzentrieren.