Essen

Energieriese Eon schreibt wegen Aufspaltung rote Zahlen

Essen. Die Abspaltung des Kraftwerksgeschäfts ist in vollem Gange, doch noch belastet die unter dem Namen Uniper fortgeführte alte Eon den Neustart des Energieriesen ganz erheblich. Weitere Wertberichtigungen auf Uniper von 3,8 Milliarden Euro zogen den Konzern im ersten Halbjahr erneut tief in die roten Zahlen. Nach dem Rekordverlust von sieben Milliarden Euro im vergangenen Jahr stand in den ersten sechs Monaten des Trennungsjahres unterm Strich erneut ein dickes Minus von drei Milliarden Euro.

Und das dürfte es immer noch nicht gewesen sein, wie Eon-Chef Johannes Teyssen am Mittwoch einräumte. Bereits im laufenden Quartal droht die nächste Milliarden-Abschreibung auf Uniper. Im September sollen die Aktien der Düsseldorfer Tochter an der Börse gehandelt werden, erst dann wird ihr tatsächlicher Marktwert sichtbar. Uniper steht noch immer mit rund zwölf Milliarden Euro in den Büchern, Analysten halten vier bis 5,5 Milliarden für realistischer. Da Eon weniger als die Hälfte der Uniper-Anteile behalten will, schlüge eine weitere Wertminderung um möglicherweise sieben Milliarden Euro noch einmal mit gut drei Milliarden Euro auf die neue Eon durch.

In der Konzernzentrale wird betont, mögliche weitere Abschreibungen nie verheimlicht zu haben. Dass die bisherigen ausreichen könnten, hatten die Aktionäre aber gehofft. Die neuerliche Korrektur sei „ein ganz fatales Signal“, sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dieser Zeitung. Er nennt die Uniper-Aktie, die im September an die Börse geht, „eine Wette auf steigende Strompreise“, die offenbar nicht aufgehe.

Da Teyssen zugleich auf eine Einigung mit der Regierung über die Entsorgung der Atom-Altlasten dringt, was Eon Planungssicherheit, aber auch zusätzliche Kosten für den verlangten Risikoaufschlag von rund zwei Milliarden Euro bringen würde, denkt der Konzernchef nun laut über eine Kapitalerhöhung nach. Das wäre „richtig und angemessen“, sagte Teyssen.

Die Finanzmärkte, die auf den Rekordverlust 2015 sehr gelassen reagiert hatten, straften Eon gestern ab: Die Aktie verlor zwischenzeitlich bis zu sieben Prozent und fiel unter neun Euro.