Fluglinie

Air Berlin muss erneut Millionenverlust verkraften

Die Fluglinie Air Berlin hat mit großen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Firmenchef Stefan Pichler kündigt „tiefgreifende Veränderungen“ an.

Ein Flieger der Air Berlin landet auf dem Hauptstadt-Flughafen Tegel. Die Fluggesellschaft beklagt deutliche Umsatzeinbußen.

Ein Flieger der Air Berlin landet auf dem Hauptstadt-Flughafen Tegel. Die Fluggesellschaft beklagt deutliche Umsatzeinbußen.

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Fluggesellschaft Air Berlin macht die geopolitische Lage für ein schlechtes Ergebnis im zweiten Quartal 2016 verantwortlich. Wie das Unternehmen am Dienstagabend in Berlin mitteilte, sank der Umsatz um 9,4 Prozent auf 970,6 Millionen Euro.

Das operative Ergebnis (Ebit) belief sich im zweiten Quartal auf einen Verlust in Höhe von 62,7 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte dieser nur 15,9 Millionen Euro betragen. In den ersten sechs Monaten summierte sich das Ebit auf ein Minus von 234,9 Millionen Euro. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres stand Air Berlin mit 175,8 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Terroranschläge drosseln Nachfrage

Das Ergebnis nach Steuern (Nettoergebnis) sank auf ein Minus von 89,1 Millionen Euro. Auch hier lag der Verlust deutlich höher als im zweiten Quartal des Jahres 2015 (37,5 Millionen Euro). Für das erste Halbjahr berichtet Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft einen Nettoverlust von 271,5 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2015: 247,6 Millionen Euro).

„Die Nachfrage nach Flügen insbesondere zu touristischen Zielen hat aufgrund der Terroranschläge deutlich nachgegeben“, erklärte der Vorstandschef der Fluggesellschaft, Stefan Pichler. „Bis zu einem Drittel der Umsätze erzielen wir im touristischen Luftverkehr.“ Deshalb treffe die instabile politische Situation in traditionellen Feriengebieten wie der Türkei, Griechenland und Nordafrika das Unternehmen besonders hart, so Stefan Pichler weiter.

Dabei hatte Air Berlin (wie berichtet) seine Kapazitäten bereits eingeschränkt. Die Statistik für den Ferienmonat Juli weist einen Rückgang der Kapazität um 4,4 Prozent und ein Minus von vier Prozent bei der Transportleistung, also dem Produkt aus Passagierzahl und Entfernung, aus. Daraus ergibt sich eine leicht erhöhte Auslastung der Maschinen um 0,2 Punkte auf 83,6 Prozent.

Air Berlin steht unter einem hohen Kostendruck. So hatte das Unternehmen erst vor wenigen Tagen die Streichung von Freigetränken und Snacks auf Kurz- und Mittelstrecken in der Economyclass angekündigt. Immerhin das Schokoherz, das Passagieren beim Ausstieg gereicht wird, soll auch weiter kostenfrei bleiben.

Enge Partnerschaft mit Etihad Airways

Das Unternehmen setzt nun verstärkt auf „ertragreiche Kundensegmente“ – und hier insbesondere auf das lukrative Transatlantikgeschäft. Es sei für die neue Netzwerkstrategie von fundamentaler Bedeutung, so Pichler. Von Mai 2017 an sollen San Francisco und Los Angeles mehrmals wöchentlich von Tegel aus angeflogen werden. Bereits ab Winter steigt der Takt der Verbindungen nach New York, Chicago und Miami. Ferner plant die Fluggesellschaft die Einführung einer Businessclass auf der Kurz- und Mittelstrecke noch in diesem Jahr. Die Tarife wurden noch nicht bekannt gegeben.

Pichler sieht die Fluggesellschaft „inmitten eines Restrukturierungsprozesses“ und kündigt in einer Mitteilung „tiefgreifende Veränderungen in unserem gesamten Unternehmen“ an, ohne dabei weiter ins Detail zu gehen. Der Unternehmenschef versucht, Optimismus zu verbreiten, und unterstreicht die „enge Partnerschaft mit Etihad Airways“, die mit knapp 30 Prozent an Air Berlin beteiligt ist und das Unternehmen finanziell über Wasser hält. Zuletzt war spekuliert worden, Lufthansa sei an Strecken der Air Berlin außerhalb der Drehkreuze Berlin und Düsseldorf interessiert.