Berlin

Vorerst keine negativen Zinsen für Privatkunden

Berlin. Wenn Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, müssen sie dafür mittlerweile einen Strafzins zahlen. Experten hatten bereits befürchtet, dass dieses Szenario bald auch den privaten Kunden droht. Doch der Bankenverband gibt nun vorerst Entwarnung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir im Privatkundengeschäft Negativzinsen sehen werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, der Deutschen Presse-Agentur. Letztlich müsse jedes Institut selbst entscheiden, „aber meine persönliche Einschätzung ist, dass der Markt eine Weitergabe von Negativzinsen an Verbraucher kaum zulassen wird“, sagte Kemmer.

Weil Banken also kaum die Negativzinsen weitergeben können, suchen sie nun nach anderen Wegen, um Geld zu verdienen. Kemmer schloss daher höhere Gebühren für Privatkunden nicht aus. Der Zinsüberschuss als Hauptertragsquelle der Banken sei erheblich unter Druck geraten, erklärte der Bankenfunktionär. Zugleich erhöhten die gesetzliche Regulierung und die Digitalisierung die Kosten der Banken. „Diese Parameter fließen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen in die individuelle Preisfindung ein“, sagte Kemmer.

Der Blick auf die Konditionen von so mancher Bank zeigt, dass diese zu Beginn des Jahres entweder die Kontogebühren erhöht haben, oder etwa Gebühren für Dienstleistungen erheben, die bisher kostenlos waren – etwa für Überweisungen am Selbstbedienungsterminal in der Filiale. Manche setzen auch auf eine Gebühr für die Girokarte oder die Kreditkarte. Verbraucher sollten also künftig die Konditionen ihres Girokontos genau überprüfen.

Der Leitzins bei der Europäischen Zentralbank liegt seit Monaten bei null Prozent. Wollen Banken Geld bei der EZB parken, wird derzeit sogar ein Negativzins von 0,4 Prozent fällig – das heißt, die Banken zahlen drauf, wenn sie Geld horten. Die Europäische Zentralbank will so die Banken dazu animieren, Kredite zu vergeben und damit die Wirtschaft ankurbeln.