Wirtschaft

Hoffnung nach den Chaostagen bei Movinga

Jürgen Stüber über das Berliner Umzugs-Start-up

Die Geschichte des Umzugs-Start-ups Movinga hat den Stoff für eine Fernsehsaga im Vorabendprogramm, wenn nicht gar für einen Krimi. Jetzt könnte es sogar noch ein Happy End geben.

Die Geschichte des Start-ups im Zeitraffer: Zwei ehrgeizige Elitestudenten können mit einer brillanten Geschäftsidee Investoren überzeugen, 25 Millionen Dollar in ihr Start-up zu investieren, lassen sich als „Start-up des Jahres“ feiern, verbrennen einen Großteil des Geldes und wachsen dann, bis der Staatsanwalt kommt. Sie verlieren Jobanteile an der Firma. Die Investoren drücken den Reset-Knopf, ein neues Team mit neuem Geld geht an den Start.

Und wie bei Facebook zu lesen ist, freut sich das Unternehmen nun darauf, im September von der Mittelstandsvereinigung der CDU mit dem deutschen Mittelstandspreis ausgezeichnet zu werden.

Movinga war im Jahr 2015 mit dem Anspruch angetreten, den Umzug neu zu erfinden. Eigentlich keine schlechte Idee. Denn Umzüge sind teuer, weil Umzugs-Lkw gewöhnlich beladen zu einem Ziel und leer wieder zurückfahren. Dass das unwirtschaftlich ist, leuchtet ein. Und lästig ist es für den Verbraucher allemal, einen Spediteur zu finden.

Dieses Konzept wollten die Gründer von Movinga auf den Kopf stellen, eine Art Uber für Umzüge entwickeln, von dem der Kunde profitiert, weil der geteilte Transport natürlich billiger ist. Und einfacher auch. Denn es genügen ein paar Klicks. Und schon ist der Umzug in Sack und Tüten – oder besser: die Einrichtung in den weißen Movinga-Kartons mit dem roten O verstaut.

Diese Idee gefiel auch den Wagniskapitalgebern. Movinga schaffte es praktisch aus dem Stand, Investoren wie Rocket Internet (Global Founders Capital), Index Ventures und Earlybird von ihrem Konzept zu begeistern. So floss dann im Januar diesen Jahres der wahrlich stolze Betrag von 25 Millionen Dollar auf das Konto des umtriebigen Berliner Unternehmens.

Die Firma wuchs schnell, sie expandierte in mehrere Länder Europas. Sogar Google soll sich für ein Investment in das Vorzeigeunternehmen interessiert haben. Das bestätigt zwar niemand offiziell, es wird aber auch nicht dementiert.

Doch aus dem Investment von Google wurde nichts. Denn beim Wachstum ging offenbar nicht alles mit rechten Dingen zu. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Berliner Morgenpost, dass sie gegen die beiden Gründer von Movinga ermittelt. Der Verdacht: Urkundenfälschung. Ferner heißt es in Branchendiensten, das Kapital sei weitgehend aufgebraucht.

Dort wird auch darüber spekuliert, dass es den Gründern gelungen sein könnte, ihre Investoren monatelang an der Nase herumzuführen. So erklärt sich dann auch, dass man sich „einvernehmlich“ getrennt habe, wie ein Unternehmenssprecher am Wochenende bestätigte. Der Kollateralschaden: Movinga musste sich im Juni aus drei Ländern zurückziehen. Und, was noch schwerer wiegt, 150 Mitarbeiter entlassen.

Mit einer neuen Finanzierungsrunde, die ein Unternehmenssprecher nicht dementierte, könnte Movinga nun der Neustart gelingen. Das Start-up habe beste Aussichten, „mit einem neuen Management und einem Mega-Geschäftsmodell erfolgreich zu werden“. Finn Hänsel und Christoph Müller-Guntrum haben bei Movinga das Ruder übernommen. Hänsel war zuvor Chef des ProSieben-Accelerators Epic Companies.

Wie es bei Movinga heißt, will sich das Unternehmen nun auf seine Kernmärkte konzentrieren und seine technologische Plattform ausbauen.