Rio de Janeiro

Megastaudamm im Amazonas-Gebiet doch noch gestoppt

Umweltbehörde sieht Brasiliens großes Energieprojekt kritisch

Rio de Janeiro. Rückschlag für die brasilianische Regierung und ihre langfristige Energieplanung: Die Umweltbehörde Ibama hat überraschend den Bau eines Megastaudamms am Tapajós-Fluss im Amazonasgebiet im Norden des südamerikanischen Landes verboten. Die notwendige Lizenz wurde wegen fehlender Studien zu den Auswirkungen auf Umwelt und Ureinwohner verweigert, sagte Ibama-Chefin Suely Araújo zur Begründung. Die Umweltstudie sei fehlerhaft gewesen, was zu irreversiblen Schäden hätte führen können.

Das Projekt São Luiz do Tapajós sollte 30 Milliarden Reais kosten, das entspricht 8,5 Milliarden Euro, und einen Staudamm von 7,6 Kilometer Länge und ein Wasserkraftwerk umfassen, mit mehr als 8000 Megawatt Leistung. Dies entspräche der Kraft von rund sechs Atomkraftwerken. Es ist das größte Infrastrukturprojekt Brasiliens.

Nun kann die brasilianische Regierung ihr ehrgeiziges Vorhaben, bis ins Jahr 2024 insgesamt knapp 30.000 zusätzliche Megawatt an Kapazität über Wasserkraftwerke zu gewinnen, nicht mehr umsetzen. Die nationale Energiebehörde Aneel geht davon aus, dass die Regierung nun wieder auf teurere und umweltschädlichere Energieträger zurückgreifen muss. Brasilien hat einen großen Rückstand in der Energie-Infrastruktur, was ein Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung und mögliche Investoren darstellt. Ohnehin leidet das Land unter der andauernden Rezession.

Das Tapajós-Kraftwerk wäre in das Gebiet der Munduruku-Indianer gebaut worden. Auch deshalb kämpften Ureinwohner gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen das Projekt. Alleine das geplante Staubecken, das der Fläche von New York entspricht, hätte die Lebensgrundlagen der Ureinwohner zerstören können. Darüber hinaus wären der riesigen Anlage weite Gebiete des Regenwaldes zum Opfer gefallen.

Der Baustopp ist nun ein großer Sieg für die Umweltvorkämpfer. Bei dem noch im Bau befindlichen Kraftwerksprojekt Belo Monte am Rio Xingu, ebenfalls in der Amazonasregion, ist ihnen das nicht gelungen. Belo Monte soll 2019 ans Netz gehen. Doch weder die Regierung von Übergangspräsident Michel Temer noch die Energie- und Bauindustrie haben gegen die Entscheidung der Umweltbehörde protestiert. Zu sehr ist die Regierung derzeit mit den Olympischen Spielen und dem Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Rousseff beschäftigt.