Berlin

Abgasreinigung setzt nach 22 Minuten aus

Audi unter Verdacht: US-Behörden erheben bei Drei-Liter-Dieselmotoren weitere Schummel-Vorwürfe

Berlin. In der Affäre um manipulierte Abgaswerte gerät die Volkswagen-Tochter Audi weiter unter Druck. Die US-Behörden haben beim Drei-Liter-Diesel von Audi drei nicht genehmigte Software-Programme entdeckt, wie die „Bild am Sonntag“ berichtete.

Demnach schaltet sich die Abgasreinigung bei Fahrzeugen mit dem großen TDI-Motor nach rund 22 Minuten einfach ab. Offenbar war das kein Zufall: Die Messverfahren zur Ermittlung der Abgaswerte dauern in der Regel knapp 20 Minuten. Der TDI-Motor ist unter anderem in den Modellen Audi Q7, Porsche Cayenne und VW Touareg verbaut. Ein Audi-Sprecher sagte, die Gespräche mit den Behörden liefen kontinuierlich weiter. „Ziel ist weiter eine technische Lösung des Problems.“

Bislang hat der Autobauer aus dem bayerischen Ingolstadt wenig Erfolg bei den Verhandlungen mit den US-Behörden. Einen ersten Lösungsvorschlag für die betroffenen 85.000 Autos lehnte die kalifornische Umweltbehörde Carb vor einigen Wochen ab. Wenn die Fahrzeuge nicht auf dem Rollenprüfstand stünden, würden sie bis zu neunmal mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt. Audis Plan sei unvollständig und unzureichend, gesetzliche Standards zu erreichen, teilte die Carb mit. Am Mittwoch müssen die Audi-Manager erneut bei einer Anhörung der US-Umweltbehörden antreten. Intern wird bereits mit einer erheblichen Strafzahlung gerechnet.

Volkswagen hatte sich zuletzt mit US-Behörden und privaten Klägern auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt, um den Streit über fast eine halbe Million Dieselautos mit Zwei-Liter-Motoren beizulegen. Der Vergleich gilt für rund 480.000 Wagen.

Dabei hatte sich Volkswagen zur Zahlung von insgesamt 14,7 Milliarden Dollar bereit erklärt, das entspricht rund 13,3 Milliarden Euro. Der Großteil davon ist für die Entschädigung betroffener Kunden vorgesehen. Die Abmachung sieht vor, dass VW die betroffenen Diesel entweder zurückkauft oder repariert, falls die US-Umweltbehörden den Reparaturen zustimmen. In beiden Fällen steht den Autofahrern eine Entschädigung von 5000 bis 10.000 Dollar zu. Sollte VW alle Fahrzeuge zurückkaufen müssen, würde das den Konzern rund zehn Milliarden Dollar kosten. Die Autos werden zudem Härtetests unterzogen, um sicherzugehen, dass die vorgeschlagenen Reparaturen auch lange genug halten. VW hatte sich außerdem verpflichtet, knapp fünf Milliarden Dollar in zwei verschiedene Umweltfonds zu zahlen.

In Deutschland setzen derweil die Klagen einzelner Bundesländer auf Schadensersatz dem Volkswagen-Konzern zu. Bayern kündigte bereits an, rechtlich vorzugehen, Hessen und Baden-Württemberg prüfen noch. So war etwa der bayerische Pensionsfonds von den starken Kursverlusten nach Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Dieselmotoren betroffen. Das Land Niedersachsen hingegen, das 20 Prozent der VW-Aktien hält, hat bislang keine rechtlichen Schritte angekündigt.