Geldinstitut

Islamische Bank will auf dem deutschen Markt expandieren

Islamische Institute dürfen keine Zinsen verlangen. Das macht ihr Geschäft komplizierter und krisenfester – auch mit Lizenz in Deutschland.

„Das Potenzial für ‘Islamic Banking’ in Deutschland ist sehr groß“, sagt Kemal Ozan, Chef der KT Bank AG.

„Das Potenzial für ‘Islamic Banking’ in Deutschland ist sehr groß“, sagt Kemal Ozan, Chef der KT Bank AG.

Foto: KT Bank AG

Frankfurt.  Die Null- und Negativzinsen machen den Banken und Sparkassen schwer zu schaffen. Dabei gibt es Institute, die gar keinen Zins verlangen – und trotzdem gute Geschäfte machen: Islamische Banken. Denn im Islam ist der Zins verboten. Nun kann erstmals eine islamische Bank in der Eurozone auf ihre Jahresbilanz blicken: Seit gut einem Jahr verfügt die KT Bank AG mit Sitz in Frankfurt über eine Banklizenz in Deutschland und damit in der Eurozone.

Warum ist die KT Bank überhaupt in Deutschland? Die Antwort lautet: Weil es ein attraktiver Markt ist. „Das Potenzial für ‚Islamic Banking‘ in Deutschland ist mit 4,3 Millionen Muslimen, die hierzulande leben, sehr groß“, sagt KT-Bankchef Kemal Ozan. Die Bankgeschäfte nach islamischem Recht sind quasi ein Gegenpol zum Modell vieler westlicher Banken. „Islamische Banken investieren in Realwirtschaft und spekulieren nicht“, erklärt Kemal Ozan den wichtigsten Unterschied zwischen konventionellem und islamischem Bankgeschäft.

Bank plant weitere Geschäftsstelle

Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hatte die Lizenz vor einem Jahr erteilt. Nun expandiert die Bank schon: Neben den Filialen in Frankfurt, Mannheim und Berlin in der Leipziger Straße soll demnächst auch eine Zweigstelle in Köln eröffnet werden.

Geld darf nach Sure 2, Vers 278 des Korans nicht mit Geld verdient werden. Spekulation ist untersagt, schon weil sie dem Glücksspiel nahekommt. Natürlich müssen auch islamische Banken ihre Kosten decken. Sie verdienen ihr Geld anders, im Wesentlichen mit dem Handel mit Produkten oder mit einer Investition. Beim Autokauf etwa kauft die Bank das Auto selbst. Und gibt es dann mit einem vereinbarten Gewinnaufschlag an den Kunden weiter. Der Kunde zahlt den Preis dann in Raten an die Bank zurück. In der Immobilienfinanzierung hat sich eine Methode gefunden, die Bank und Bauwilligen zu gemeinsamen Investoren macht und das Zinsverbot somit befolgt.

Bank und Kunde gründen GbR

Weil ihre Geschäfte immer mit der Realwirtschaft zu tun haben sollen, beteiligen sich die islamischen Banken an Unternehmen, die die Immobilien kaufen. Das funktioniert auch bei privaten Haus- oder Eigentumswohnungskäufen. Bank und Kunde gründen eine GbR, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

Diese Gesellschaft kauft dann die Immobilie. Der Kunde zahlt Raten an die Bank, die zugleich GbR-Anteile an den Kunden abgibt, zu einem Preis, der für die Bank einen Gewinn ermöglicht. Der Preisaufschlag richtet sich unter anderem nach Laufzeit, Kaufsumme, nach der Qualität der Immobilie und der Bonität des Kunden. „Der aktuelle Richtwert liegt bei 2,99 Prozent“, heißt es bei der KT Bank, deren Muttergesellschaft vor allem der Bank Kuwait Finance House, der staatlichen kuwaitischen Sozialversicherung, der Islamischen Entwicklungsbank und staatlichen türkischen Stiftungsverwaltungen gehört. Bei den Grundstücksgeschäften ist geklärt, dass die Grunderwerbssteuer in der Regel nur einmal anfällt, also nicht ein zweites Mal, wenn die Immobilie von der GbR auf den Kunden übergeht.

Das sind „Handelsfinanzierungen“ – und die sind erlaubt. Zugelassen sind auch Vermietungen und Leasinggeschäfte. Weitverbreitet ist auch der Kauf von Aktien. Denn Dividenden, die an die Aktionäre gezahlt werden, gelten nicht als Zinsen, weil es darauf keinen einklagbaren Anspruch gibt. Damit ist die Vorstellung erfüllt, Geld dürfe sich nicht aus sich selbst heraus vermehren.

Institute standen in Krise gut da

Zur Vorgabe des islamischen Rechts für Banken gehöre eben, so Matthias Casper, Professor für Kapitalmarktrecht an der Uni Münster, „dass sie, um Gewinne zu erzielen, ein unternehmerisches Risiko übernehmen“. Das habe zur Folge, dass im Grundsatz nur dann Erträge anfallen, wenn Gewinn erwirtschaftet werde. Luftnummern wie in der Finanzkrise 2008 sind also untersagt. Tatsächlich: Islamische Banken sind besonders gut durch diese Krise gekommen.

Dennoch wollen hiesige Kreditinstitute das Geschäftsmodell nicht nachahmen, wollen sich aber nicht offiziell positionieren. Die Sparkassen etwa fühlen sich wohl damit, rund hundert Milliarden Euro mehr Spargelder zu haben, als sie als Kredit vergeben können. So bleiben sie liquide. Sicher, der Zinsüberschuss von gut 23 Milliarden Euro werde sinken, heißt es von den Sparkassen. Aber man werde weiter verdienen.

Deutsche Angebote haben sich nicht durchgesetzt

Versuche der hiesigen Institute, der Kundschaft in Deutschland auch islamische Bankprodukte anzubieten, hat es gegeben. Wirklich gelohnt und durchgesetzt haben sie sich allerdings nicht. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass auch muslimische Kunden meist die zinsbasierten Produkte annähmen.

Die Banken bevorzugen statt des islamischen das angelsächsische Modell, das weniger auf Krediten basiert, als auf Unternehmensanleihen. Besonders mittelständische Unternehmen werden keine Kredite mehr gegeben, sondern sie werden ermuntert, Anleihen auszugeben. Dafür würden die Banken dann Anleger, also geldgebende Kunden, vermitteln. Die Bank kassiert dafür ein Honorar. Generell wollen die nicht-islamischen Banken die Gebühren anheben, um den niedrigen Zinsen zu entkommen – viele Gratiskonten kosten bald wieder etwas.