Wolfsburg

Volkswagen bleibt in der Krise

Abgas-Skandal lässt Gewinne erneut schrumpfen – Marke VW hat zu hohe Kosten

Wolfsburg.  Die Abgas-Affäre kostet Europas größten Autobauer Volkswagen auch im ersten Halbjahr 2016 merklich Gewinnkraft. Unter dem Strich sackte das Konzernergebnis aus den ersten sechs Monaten um 38 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ab.

Als neuen Puffer für juristische Risiken aus dem Skandal um Diesel-Manipulationen musste Volkswagen aus seinem Gewinn weitere 1,6 Milliarden Euro herausrechnen. Zuvor hatten die gesamten Rückstellungen für den Skandal 16,2 Milliarden Euro betragen. Insgesamt hat der Konzern damit 17,8 Milliarden Euro für die Folgekosten des Skandals zurückgelegt, wie Finanzchef Frank Witter sagte. Davon wird ein großer Teil von dem Vergleich mit Behörden und Hunderten Privatklägern in den USA verschlungen, für den das Bezirksgericht in San Francisco jüngst vorläufig grünes Licht gegeben hat.

Auch für Folgekosten aus den Problemen mit Airbags des Zulieferers Takata und für drohende Kartellstrafen wegen Preisabsprachen in der Nutzfahrzeugbranche musste das Unternehmen zusammen mehr als eine halbe Milliarde Euro an finanziellen Rücklagen bilden.

Die wichtige, aber renditeschwache Kernmarke VW-Pkw um Golf und Passat erreichte im zweiten Quartal des laufenden Jahres 808 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte der Universität Duisburg-Essen, sieht die Marke unter enormem Druck. Pro verkauftem Fahrzeug habe VW im ersten Halbjahr dieses Jahres operativ nur 395 Euro verdient, sagte er dieser Zeitung. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 634 Euro gewesen, so Dudenhöffer. „Skoda verdient dagegen pro Fahrzeug 1590 Euro. Volkswagen muss also vier bis fünf VWs oder einen Skoda für den gleichen Gewinn verkaufen.“ Die Kernmarke, so Dudenhöffer, habe eine „unendlich schlechte Kostenstruktur“ im Vergleich auch zu den eigenen Töchtern.

Der Hauptgrund: Komponenten- und Zulieferwerke seien an Hochkostenstandorten rund um Wolfsburg angesiedelt, statt sich günstiger bei anderen Zulieferern und auf den Weltmärkten zu bedienen. Der Großaktionär Niedersachsen und die Gewerkschaften setzten sich bei Kostenfragen immer wieder durch.

Bei der Beschäftigungszahl hinkt der VW-Konzern seinem Rekord im Inland indes weiterhin hinterher. In den ersten sechs Monaten sank die Zahl der Mitarbeiter hierzulande leicht um 600 Beschäftigte auf 278.100 Menschen.

Weltweit ist der Konzern mit 613.600 Mitarbeitern dagegen weiter auf Wachstumskurs. Seit Ende März kamen global gesehen noch einmal rund 500 Menschen dazu, ging aus dem Volkswagen-Bericht hervor.