Berlin

Deutschland verdient erstmals am Schuldenmachen

Berlin. Erstmals verdient der deutsche Staat Geld mit einer zehnjährigen Bundesanleihe. Bei der Versteigerung der bis August 2026 laufenden Papiere gaben sich die Investoren mit einer negativen Rendite von 0,05 Prozent zufrieden, teilte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch mit. Die Nachfrage übertraf die angebotenen Anleihen im Wert von vier Milliarden Euro um das 1,2-Fache. Titel mit kürzerer Laufzeit kann der Bund bereits seit Längerem zu Geld machen.

Die nun angebotenen Zehn-Jahres-Papiere waren erstmals mit einem Zinskupon von 0,00 Prozent ausgeschrieben – der Bund bot den Anlegern also keine Zinsen. Zudem wurden sie zum Kurs von 100,48 Prozent zugeteilt, werden am Ende der Laufzeit aber nur zu 100 Prozent zurückgezahlt. Dadurch ergibt sich die negative Rendite. Noch im Januar war die neu begebene zehnjährige Bundesanleihe mit 0,5 Prozent Zinsen versehen. Der höchste Kupon wurde 1981 mit 10,75 Prozent festgesetzt.

Hinter dieser Entwicklung steckt die Europäische Zentralbank (EZB), die in großem Stil Staatsanleihen am Markt aufkauft und so die Zinsen drückt. „Solange die EZB jeden Monat etliche Milliarden in den Markt pumpt, gibt es auf jeden Fall einen sicheren Abnehmer“, sagte Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Zudem flüchten Anleger angesichts des Brexit-Votums in sichere Häfen. Bundesanleihen sind deshalb begehrt: Sie gelten als nahezu risikoloses Investment, Anleger können die Papiere problemlos kaufen und verkaufen. Der Bund finanziert mit den Titeln seine Schulden von gut einer Billion Euro.