Berlin

Wie die Fusion den Wettbewerb in Berlin beeinflusst

Kartellamt untersucht Marktmacht von Edeka/Kaiser’s

Berlin. Was für die 6000 Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann in Berlin eine schlechte Nachricht war – das Aus für die Fusion mit Edeka –, könnte sich für viele Supermarkt-Kunden in der Stadt als positiv erweisen. Denn eine Fusion von Edeka mit dem in Berlin wichtigsten Konkurrenten hätte in vielen Stadtteilen zu einem „Fast-Monopol“ führen können. Vielerorts wäre die Konkurrenz unter den Märkten mit Vollsortiment weitgehend ausgeschaltet – mit entsprechenden Möglichkeiten für das Unternehmen, die Preise anzuheben. Auch in München wäre die Lage ähnlich. In Berlin entfallen 45 Prozent des Marktvolumens von 6,5 Milliarden Euro im Lebensmitteleinzelhandel auf Edeka und Kaiser’s Tengelmann.

Aus diesem Grund hatte das Bundeskartellamt der Edeka die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann untersagt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) überstimmte das Votum mit seiner Ministererlaubnis, die das Oberlandesgericht Düsseldorf nun gekippt hat. Berlins CDU-Chef Frank Henkel forderte von Gabriel, einen Fahrplan vorzulegen, wie es nun weitergehe. Die Mitarbeiter dürften nicht alleine gelassen werden.

Petra Ringer, Einzelhandelssekretärin bei der Gewerkschaft Verdi in Berlin, sagte, man habe mit der Edeka weitreichende Schutzrechte für die Kaiser’s-Beschäftigten vereinbart, unter anderem eine Arbeitsplatzgarantie für fünf Jahre. Was nun geschehe, sei aus Arbeitnehmersicht „sehr beunruhigend“. Wenn nicht irgendwo her ein Einzelhandelsunternehmen komme, das in Berlin noch nicht vertreten sei, drohe die Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann. Denn auch eine Übernahme von Kaiser’s durch die klagende Rewe-Gruppe hätte ähnliche Effekte wie eine Fusion mit der Edeka. „Eine Einzelverwertung der Filialen wäre das schlimmste Szenario“, sagte Ringer. Dann würden schwächere Standorte geschlossen, Lager und andere Dienstleistungen wären gefährdet.

Nur in vier von zwölf Bezirken ist die Fusion unproblematisch

Vor allem Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg sieht das Kartellamt den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel durch eine Übernahme bedroht. In der West-City kommen Edeka und Kaiser’s gemeinsam auf 60 Prozent Marktanteil, in Friedrichshain-Kreuzberg auf 70 Prozent. Nur in vier der zwölf Berliner Bezirke führe der Zusammenschluss nicht zu einer „wettbewerblich problematischen Gesamtkonstellation“, schreibt das Kartellamt.

In einzelnen Ortsteilen wie Halensee oder Grunewald gäbe es nach der Übernahme von Kaiser’s durch Edeka überhaupt keine Vollsortiment-Märkte mehr, die nicht zu Edeka/Kaiser’s oder Rewe gehören. In Wilhelmsruh, Schmargendorf, Wannsee, Siemensstadt und Wilmersdorf läge der Marktanteil der verbliebenen zwei Ketten bei 80 Prozent. In Kladow, Westend, Friedrichshain, Mariendorf, Mitte, Tegel und Lankwitz bei 75 Prozent.