Wirtschaft

Ein Tinder für die Hotelbranche

Jürgen Stüber über die neue Jobvermittlungsplattform „HoCaBoo“ und ihre Investoren aus Berlin

Geeignetes Personal zu finden, ist die größte Herausforderung der Hotelbranche – weit vor Behördenauflagen und Kostendruck. Mehr als die Hälfte der Befragten (59 Prozent) nennen dieses Problem, so die aktuelle Konjunkturumfrage des Branchenverbandes Dehoga. Anstrengende Arbeitszeiten und ein niedriges Lohnniveau machen die dauerhafte Beschäftigung in der Hotelbranche schwer. Sie leidet unter dem Fachkräfteproblem wie kaum eine andere. Fluktuationsraten bei Beschäftigten und Abbrecherquoten bei Auszubildenden sind hoch. Jeder zweite Beschäftigte ist jünger als 35 Jahre.

Dieses Problem wollen vier Gründer lösen und haben dazu die Smartphone-App „HoCaBoo“ als Jobvermittlungsbörse für die Hotelbranche entwickelt. Der Name ist eine Abkürzung für „Hotel Career Booster“, was so viel heißt wie Karrieretriebwerk für Hotelpersonal. Die App funktioniert im Prinzip wie die Dating-App Tinder: Angebote, die ein Nutzer auf dem Smartphone-Bildschirm mit dem Finger nach links wischt, kommen in die Tonne. Wischt man ein Angebot nach rechts, wird eine Verbindung zum potenziellen neuen Arbeitgeber hergestellt.

„Wir wollen jungen Leuten den Weg in die Hotellerie ebnen“, sagt Felix Mischke, einer der Mitgründer. Wer einen neuen Job oder eine Ausbildungsstelle sucht, legt ein kurzes Profil an, nennt Ausbildung und Fähigkeiten, Sprachkenntnisse, Zertifikate, Kurzbeschreibung und Lebenslauf. Betriebe auf der Suche nach Fachkräften erhalten eine Nachricht, wenn ein Bewerber auf ihr Stellenangebot passt. Sie sehen bis zu drei frühere Positionen des Bewerbers. Um den Datenschutzbestimmungen der USA zu genügen, wird kein Foto, kein Geschlecht und kein Alter des Bewerbers genannt. Das erfahren die Stellenanbieter erst nach einer Kontaktaufnahme.

Das zur Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im März 2016 gestartete Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase. Die Zahl der Vermittlungen ist deshalb noch überschaubar. Obwohl die Gründer noch keine Marketing-Offensive gestartet haben, nutzen bereits 150 zum Teil namhafte Häuser die Plattform: das Adlon in Berlin, das Atlantic in Hamburg oder das Beau Rivage in Genf. Hotels in Spanien, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Bahrain und Dubai greifen auf die Vermittlungsplattform zu. Auch mit Berufs- und Fachschulen arbeiten die Gründer zusammen.

Das Start-up will die Vermittlung von Stellen vereinfachen. Hotels bezahlen derzeit einen Euro pro aufgerufenen Kontakt zu einem Bewerber. „Pay2Match“ nennt sich das in der Gründersprache. Das ist nicht viel, aber die Gründer wollen mit einem „Preis der ultimativen Marktdurchdringung“ an den Start gehen. „Wir wollen die Idee des Recruiting verändern“, sagt Mischke. Andere Arten von Arbeitsvermittlung lassen sich nach ihrer Einschätzung schlechter skalieren, also mit einem minimalen Mehraufwand vergrößern.

Mit dem Berliner Hotelier Michael Zehden (Crowne Plaza) und Michael Mücke, ehemaliger Chef der Accor Hotels Deutschland, haben die Gründer Investoren mit viel Branchenkompetenz und großen Netzwerken erhalten. Das Team von „HoCaBoo“ ist inzwischen auf elf Mitarbeiter angewachsen.