Umweltpolitik

Umstrittene Studie: Kohlewirtschaft führt zu Tausenden Toten

Todbringende Schadstoffe: Umweltverbände haben Folgen von Kohlekraft in Europa errechnet – bis hin zu Toten durch einzelne Kraftwerke.

Das ist laut WWF und anderen Umweltverbände die schlimmste Schadstoffschleuder Europas: Was aus dem polnischen Kraftwerk Belchatow in die Luft steigt, führe jährlich zum vorzeitigen Tod von 1100 Menschen. Auch für deutsche Kraftwerke hat die Studie die Rechnung aufgemacht.

Das ist laut WWF und anderen Umweltverbände die schlimmste Schadstoffschleuder Europas: Was aus dem polnischen Kraftwerk Belchatow in die Luft steigt, führe jährlich zum vorzeitigen Tod von 1100 Menschen. Auch für deutsche Kraftwerke hat die Studie die Rechnung aufgemacht.

Foto: Von Morgre (CC BY-SA 3.0)

Brüssel.  Deutsche Kohlekraftwerke führen einer Studie zufolge jährlich zum vorzeitigen Tod von mehr als 4500 Menschen. Umweltverbände haben aus Daten der Kraftwerke und Wetterinformationen ermittelt, welche Folgen die Kohlemeiler haben. Nur polnische Kraftwerke sind laut der Studie zu „Europas dunkler Wolke“ schlimmer: Fast 6000 Menschen sterben wegen der Schadstoffe aus Polen vorzeitig.

In der Erhebung wurden die Daten von 257 der 280 Kohlekraftwerke in Europa ausgewertet. Europaweit führe die Verstromung der Kohle zu 22.900 vorzeitigen Todesfällen, Zehntausenden von Herz- und Lungenkrankheitsfällen und bis zu 62,3 Milliarden Euro an Gesundheitskosten. Als Beleg führen die Umweltschützer unter anderem Erkenntnisse großer epidemiologischer Studien an.

Aus den Daten wurde eine Rangliste gebildet, wie viele vorzeitige Tote die Schadstoffe der einzelnen Kraftwerke verursacht haben. Unter den fünf demzufolge tödlichsten Kraftwerken sind drei Abgasschleudern aus Polen. Das weltgrößte Braunkohlekraftwerk Belchatow in Polen hat laut der Liste im Jahr 2013 durch seine Schadstoffe zum vorzeitigen Tod von 1100 Menschen geführt. Die am schlechtesten bewerteten deutschen Kraftwerke sind Jänschwalde in Brandenburg (470, Rang 6) und Niederaußem im Rhein-Erft-Kreis in NRW (450, Rang 9) sowie Grevenbroich-Neurath (410, Rang 11).

Anhand von Windrichtungen, Niederschlägen und Temperaturen schätzen die Autoren der Studie ab, wie sich die Schadstoffe verbreiten. Und das länderübergreifend. Der Erhebung zufolge sterben durch die deutsche Kohlekraft in Deutschland selbst 1860 Menschen vorzeitig, im Ausland aber sogar 2490. Umgekehrt erklären sich viele vorzeitige Todesfälle in Deutschland durch die Schadstoffe aus Nachbarstaaten. Deutschland bekomme zusätzlich zur selbstproduzierten Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke die meiste dreckige Luft aus den Nachbarländern ab, hieß es.

Die Erhebung zeige, wie stark das Vertrauen auf Kohleenergie die Gesundheit der Europäer schädige, sagte die stellvertretende Direktorin der an der Studie beteiligten Health and Environment Alliance, Anne Stauffer. Der WWF zitiert auch Dr. Joachim Heinrich, vom Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität München: „Diese Zahlen liefern ein weiteres starkes Argument für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung.“ (law/dpa)