Wirtschaft

Warum der Brexit auch mal eine gute Nachricht ist

Jürgen Stüber über die German Startups Group

Private Kapitalanleger haben nur wenige Möglichkeiten, Teil der Berliner Start-up-Saga zu werden. Wagniskapitalfonds stehen nur Großanlegern offen. Und Schwarmfinanzierung auf einer
Crowdfundingplattform ist wegen des unkalkulierbaren Risikos nicht jedermanns Sache. Es bleiben nur Aktien.

Die in Berlin ansässige Aktiengesellschaft German Startups Group hat in diesen Tagen Einblicke in ihr Portfolio gewährt. Sie beteiligt sich seit Mitte des Jahres 2012 an Start-ups und internetbasierten Unternehmen aus dem deutschsprachigen Bereich und bezeichnet sich selbst als zweitaktivster Wagniskapital-Investor in Deutschland nach dem halbstaatlichen Hightech-Gründerfonds (HTGF) und vor der Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB). Die Gruppe erwirbt Minderheitsbeteiligungen an wachsenden Start-ups und hofft darauf, dass ihr Wert steigt.

Die German Startups Group hat zurzeit 42 Beteiligungen. Dem jüngsten Finanzbericht zufolge entfallen auf die zehn wichtigsten Beteiligungen 64 Prozent des Gesamtwerts der AG. Sie besitzt unter anderem Anteile vom Brillenhändler Mr.Spex, dem Essenslieferdienst Delivery Hero (mit den Marken Lieferheld, pizza.de und Foodora), dem Shopping-Club TV Smiles, dem Musikdienst SoundCloud, dem Versicherungsmakler FriendSurance und dem Kunstauktionshaus Auctionata – des Weiteren kleinere Beteiligungen wie zum Beispiel an der Designplattform Juniqe, dem Gebrauchtwarenhändler ReBuy oder dem Putzdienst BookaTiger. Darüber hinaus hält die Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung an Exozet.

Als börsennotiertes Unternehmen ist sie nicht an ein zeitliches Raster wie geschlossene Wagniskapital-Fonds (VC-Fonds) gebunden, die in der Regel auf Laufzeiten von acht bis zehn Jahren angelegt sind. Das gibt der Gruppe eine strukturelle Flexibilität, die ihr erlaubt, sich über mehrere Investitionsrunden hinweg an Unternehmen zu beteiligen. Dadurch sinken die Eintrittsbarrieren für Kapitalanleger. Sie profitiert auch von der reifenden Berliner Start-up-Szene, die immer mehr Unternehmer vorzuweisen hat, die Kapital aus dem Verkauf eigener Start-ups in nachwachsende Firmen reinvestieren.

Die Kursturbulenzen an den Aktienmärkten durch den Brexit hat das Berliner Unternehmen unbeschadet überstanden. Die Aktie zeigte sich unbeeindruckt. Das Unternehmen erwartet sogar positive Auswirkungen des Brexit auf Deutschland als Standort für Tech-Start-ups – und damit auf deren Wettbewerbssituation und ihre Bewertungen. CEO Christoph Gerlinger erklärte: „Der Brexit ist eine gute Nachricht für die deutsche Start-up-Szene.“ Der Abstand zwischen Berlin, das im vergangenen Jahr mehr Wagniskapital als London erhalten habe, und der britischen Hauptstadt werde sich vergrößern.