Brexit

Jobsuchmaschine: Suchanfragen von Briten für EU verdoppelt

Mehr Briten als sonst suchen nach dem Brexit-Votum Jobs in Deutschland oder der EU. Darauf deuten zumindest Zahlen einer Jobseite hin.

Sehr viel mehr Briten als sonst suchten unmittelbar nach dem Brexit-Votum der Jobseite indeed zufolge nach Praktika in Deutschland und der EU.

Sehr viel mehr Briten als sonst suchten unmittelbar nach dem Brexit-Votum der Jobseite indeed zufolge nach Praktika in Deutschland und der EU.

Foto: © Paul Hackett / Reuters / REUTERS

Berlin.  Der Brexit verleiht dem deutschen Arbeitsmarkt offenbar Attraktivität. Zumindest aus britischer Perspektive: Unmittelbar nach der Entscheidung, am 24. Juni, schossen Jobsuchen aus dem Vereinigten Königreich in die Höhe. Das legen Zahlen der Jobsuchmaschine indeed nahe, eines der meistbesuchten Angebote dieser Art im Netz. Mehr als doppelt so viele Briten wie sonst stellten demnach Anfragen für eine Stelle in Deutschland.

Einzelne Bereiche waren besonders beliebt. „Unter den Branchen, die Briten besonders häufig in Deutschland suchten, befanden sich neben Marketing und Finance auch gleich mehrere Suchbegriffe aus dem IT-Bereich sowie Data Science und Ingenieurwesen“, sagte eine Sprecherin der Jobseite, die im Durchschnitt allein in Großbritannien 16,8 Millionen sogenannte Unique Visitors zählt. Das seien zwar Momentaufnahmen – die aber eine Tendenz für die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt erahnen ließen.

„Das Ganze ist ein Indiz dafür, dass gerade Fachbereiche, die für die Digitalisierung besonders wichtig sind, von einer Umorientierung britischer und europäischer Arbeitnehmer profitieren könnten.“ Auch die Anfragen aus dem Vereinigten Königreich in die restliche EU waren am Tag der Entscheidung im Schnitt doppelt so hoch wie an anderen Tagen.

Suche nach Übersetzer-Stellen und Praktika

Die Verantwortlichen der Jobseite sehen Hinweise darauf, dass sich vor allem junge Menschen auf die Suche begeben. Einerseits sind die Anfragen nach Praktika stark gestiegen, außerdem für Übersetzer-Stellen. „Das könnte als Indiz dafür interpretiert werden, dass junge Briten die Möglichkeiten der Arbeitnehmerfreizügigkeit nutzen möchten, solange sie noch können“, sagte die Sprecherin.

Ein Grund zur Euphorie sei dieses Interesse laut Experten aber nicht. Denn auch wenn es nun viele Fachkräfte in die EU und nach Deutschland ziehen sollte, warnen Ökonomen vor den negativen Konsequenzen des Brexits auf den deutschen Arbeitsmarkt. Vor allem wegen des Exports: Großbritannien ist mit einem jährlichen Außenhandelsumsatz von 127,6 Milliarden Euro Deutschlands fünftgrößter Handelspartner. Gerade für die deutschen Auto- und Maschinenbauer ist es ein wichtiger Absatzmarkt. So gingen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2015 Autos und Autoteile im Wert von 29,1 Milliarden Euro sowie Maschinen für 8,8 Milliarden Euro nach Großbritannien. (mit dpa)