Europa

Brexit-Gewinner: Wer vom britischen EU-Austritt profitiert

Der Brexit schwächt die Wirtschaft und verunsichert die Unternehmen? Ja. Aber es gibt auch Gewinner durch das britische EU-Votum.

Das Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Viele Banker dürfte es nach dem Brexit in die Stadt ziehen.

Das Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Viele Banker dürfte es nach dem Brexit in die Stadt ziehen.

Foto: © Kai Pfaffenbach / Reuters / REUTERS

Berlin.  Unsicherheit in der Finanzwelt, Härte aus Brüssel gegenüber London, ein heillos gespaltenes Großbritannien: Das Europa nach der Brexit-Entscheidung kennt viele Verlierer. Doch manchen bringt das Votum auch handfeste Vorteile. Ein Überblick über die Brexit-Gewinner.

1. Die Touristen aus Euro-Ländern

Weil das britische Pfund in Großbritannien in den Keller rauscht, tauschen Touristen ihre Euros zu einem besonders günstigen Kurs. Shopping, Hotels, Restaurants – die Urlauber aus der EU zahlen so wenig wie lange nicht mehr. Die britische Währung dürfte weiterhin unter Druck bleiben. Die Großbank HSBC sieht das Pfund auch am Jahresende noch bei umgerechnet 1,08 Euro. Kurz vor der Abstimmung über den Austritt lag die Währung bei fast 1,35 Euro.

2. Deutsche Schüler auf englischen Internaten

„Durch die zu erwartenden Währungsverschiebung rechnen die britischen Internate mit einem deutlichen Anstieg deutscher Bewerber“, sagt Detlef Kulessa von der Internatsberatung „Töchter und Söhne“. Nach eigenen Angaben vermittelt die Beratung rund 30 Prozent der deutschen Schüler an etwa 150 private Internate in Großbritannien. „Am ersten Tag nach dem Brexit sackten die Preise um 10 Prozent ab“, sagt Kulessa. Bei einer Jahresgebühr von im Schnitt rund 30.000 Euro ergibt das also immerhin 3000 Euro. „Wir gehen davon aus, dass sich das Preisniveau hier einpendeln wird“, sagt Kulessa.

3. Der Finanzplatz Frankfurt

Laut der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance dürfte der Brexit das Geschäft in Frankfurt ankurbeln. Frankfurt, Sitz der Europäischen Zentralbank, könnten zum Magneten für Unternehmen der Finanzbranche werden. Die Experten rechnen damit, dass sich innerhalb von 5 Jahren rund 10.000 Arbeitsplätze von London in die Mainmetropole verlagern. „Wir hoffen, dass die europäische Bankenaufsicht EBA von London nach Frankfurt verlegt wird“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. Seiner Prognose nach würde damit die gesamte Aufsicht über wesentliche Teile der europäischen Banken somit künftig in Frankfurt liegen. Auch einige Auslandsbanken in London würden daraufhin ihren Sitz verlagern wollen. Ein weiterer Effekt: Der Bedarf an attraktiven Immobilien in der Stadt dürfte steigen. Ansprüche meldet aber vor allem auch Paris an, das auch nach Ansicht von EU-Diplomaten Standort der Bankenregulierung EBA werden könnte.

4. Die Anwaltskanzleien und Berater

An die Entscheidung für den EU-Austritt knüpfen sich zahlreiche und komplizierte Fragen an. Welche EU-Vorschriften übernehmen die Briten? Wie sollen die Handelsbeziehungen zwischen den Partnern künftig aussehen? Außerdem droht Großbritannien das Aus für rund 60 Freihandelsabkommen, die die EU mit anderen Staaten verhandelt hat. Diese müssten bilateral neu verhandelt werden. Alles das bringt reichlich Arbeit für Berater und Kanzleien. Sie dürften die nächsten Monate insbesondere am Finanzplatz London schwer beschäftigt sein.Denn zahlreiche Geldinstitute überlegen, Abteilungen von dort in Euro-Staaten zu verlagern.

5. Die Goldanleger

Wer Gold im Depot hat, kann sich freuen. In turbulenten Zeiten setzen Investoren auf Gold, entsprechend ließ der Brexit den Preis des Edelmetalls kräftig steigen: Nach dem Referendum schoss er von 1250 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) hoch auf 1360 Dollar. Das ist der höchste Wert seit Sommer 2014. Die Nachfrage hinterließ auch im Internet Spuren: Britische Nutzer gaben bei Google sechsmal häufiger als sonst die Worte „Gold kaufen“ ein.