Berlin

Studie: Chefs in Elternzeit als Vorbild

Familienfreundlichkeit hat für Firmen „hohe Bedeutung“. Bedarf größer als Angebot

Berlin. Die Einschätzungen von Beschäftigten und Arbeitgebern dazu, ob ein Unternehmen familienfreundlich ist, gehen deutlich auseinander. Das zeigt der „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2016“, den Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) beim „Wirtschaftstag Familie“ in Berlin vorstellte. Aus dem Bericht geht hervor, dass zwar 83 Prozent der Personalverantwortlichen und Geschäftsleitungen der Meinung sind, in ihrer Firma sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Selbstverständlichkeit. Allerdings teilen nur 60 Prozent der Beschäftigten diese Einschätzung.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat die Untersuchung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zum fünften Mal seit 2003 durchgeführt. Erstmalig wurden dabei in diesem Jahr auch Beschäftigte befragt. Dass sich deren Wahrnehmung teilweise deutlich von derjenigen der Arbeitgeber unterscheidet, zeigte sich in verschiedenen Punkten der Untersuchung. Während beispielsweise 88,5 Prozent der Unternehmen angaben, Beschäftigte mit und ohne Familienpflichten hätten gleiche Entwicklungs- und Aufstiegschancen, bestätigten nur 68,3 Prozent der Arbeitnehmer diesen Eindruck.

Das Thema als solches gewinne jedoch an Beachtung. Mehr als 77 Prozent der Firmen messen laut der Studie der Familienfreundlichkeit eine hohe Bedeutung bei. Noch bestünde jedoch zwischen den Angeboten der Unternehmen und den Bedarfen der Beschäftigten eine Lücke, sagte Schwesig. „Hier müssen Unternehmen noch innovativer werden und neue Zielgruppen wie Väter, Alleinerziehende und pflegende Beschäftigte mit in den Blick nehmen.“

Schwesig rief männliche Führungskräfte dazu auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und selbst Elternzeit zu nehmen oder auch Teilzeit zu arbeiten. Die Wirkung dessen zeigt sich in der Studie: In Unternehmen, in denen männliche Führungskräfte in Elternzeit gehen, ist der Anteil der männlichen Beschäftigen in Elternzeit demnach mit 16 Prozent fünfmal so hoch wie in Firmen ohne solche Vorbilder.