Frankfurt/Main

Die schöne neue Elektrowelt des Elon Musk

Der amerikanische Visionär verknüpft jetzt Autos von Tesla und Solarzellen. Verbraucher sollen von einer geschlossenen Energiekette profitieren

Frankfurt/Main. Elon Musk hat eine Vision. Solarzellen auf dem Dach versorgen das Haus mit Strom und laden die Batterien auf. Diese fungieren dann als Elektrotankstelle für Elektroautos. Und alle Produkte kommen aus dem Hause Tesla. Der E-Auto-Pionier will quasi eine geschlossene Elektrokette bilden. Kunden sollen so die Möglichkeit bekommen, Energie so „effizient und nachhaltig wie möglich“ zu nutzen. Dafür nimmt das Unternehmen eine Menge Geld in die Hand.

Umgerechnet bis zu 2,8 Milliarden Euro soll die Übernahme von Solarcity kosten. Das Unternehmen wurde von zwei Cousins von Tesla-Chef Elon Musk gegründet und installiert Solarpaneele auf Dächern von Häusern und Fabriken. Doch nicht nur die familiären Bande lassen Aktionäre wie Analysten aufhorchen. Der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Solarenergie in den USA vernichtet haufenweise Geld. Allein im vergangenen Jahr verdoppelten sich die Konzernverluste auf 768 Millionen Dollar. Binnen eines halben Jahres hat der Kurs zwei Drittel auf knapp 19 US-Dollar verloren.

Das trifft Elon Musk gleich doppelt, denn zum einen ist er mit 22 Prozent aller Anteile bereits an Solarcity beteiligt, zum anderen haben Tesla-Aktien empfindlich auf die geplante Akquisition reagiert. Kurzum: Musk hat viel Geld verloren. Die Übernahme soll durch die Herausgabe neuer Aktien finanziert werden. Auch das kommt nicht gut an.

Die Befürchtung der Anleger ist groß, dass sich der Visionär verzetteln könnte. Das nach Meinung von Autoexperten derzeit dringlichste Projekt ist, Tesla fit für die Massenherstellung zu machen. Gelingen soll dies mit dem „Modell 3“, das auch für „Normalbürger“ erschwinglich sein soll. 400.000 Bestellungen liegen bereits vor. Das Basismodell soll 35.000 US-Dollar kosten. Im vergangenen Jahr hat Tesla gerade mal 50.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Produktionstechnisch muss also ein Quantensprung her. Die in Bau befindliche Tesla „Gigafactory“ soll von Nevada aus die nötigen Batterien liefern.

Aber Musk hat eben noch andere Projekte am Start. „OpenAI“ befasst sich mit künstlicher Intelligenz, der „Hyperloop“ soll in Zukunft Menschen nach dem Prinzip der Rohrpost durch die Landschaft katapultieren. „Space X“ bringt Satelliten ins All. Und jetzt kommt auch noch Solarcity dazu.

Musk bezeichnet den Deal als „Nobrainer“, also als ein Projekt, über das man nicht lange nachdenken muss, doch Experten halten die möglichen Einspareffekte für gering.

Die Frage, wie viel ein Autohersteller aus eigener Hand zu einem Auto beisteuern muss, ist so alt wie das Auto selbst. Lange lautete der Glaubenssatz, dass ein Auto preiswerter hergestellt werden kann, wenn möglichst viele Komponenten von außen kommen. Dieser Trend scheint sich mit der Elektromobilität umzukehren. VW erwägt den Bau einer eigenen Batteriefabrik. Berichten zufolge soll das Werk in Salzgitter errichtet werden. Die Investitionen sollen bei zehn Milliarden Euro liegen. Daimler hat bereits angekündigt, 500 Millionen Euro in eine zweite Batteriefabrik in Kamenz (Landkreis Bautzen) zu investieren. Auch BMW erwägt mittelfristig in Sachen E-Auto autarker zu werden. Bislang kooperieren die Münchener mit dem südkoreanischen Samsung-Konzern. Ob sich die Produktion von Batteriezellen in Deutschland wirtschaftlich lohnt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Fahrzeuge in Zukunft verkauft werden. Experten gehen davon aus, dass jährlich 320.000 Elektroautos auf die Straße gebracht werden müssten, um ein Werk rentabel zu machen. Davon allerdings sind die aktuellen Zulassungszahlen noch weit entfernt.

Die Idee, ein Solarunternehmen und einen Autokonzern miteinander zu vermählen, ist übrigens auch nicht neu. Im Jahr 2008 hatte das Management von Solarworld dem damals taumelnden Autohersteller General Motors (GM) angeboten, die vier Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern und später auch das Opel-Entwicklungszentrum zu übernehmen. Opel sollte – so der Plan – zum ersten „grünen“ europäischen Autokonzern weiterentwickelt werden. Solarworld verlangte damals von GM eine Abschlagszahlung in Höhe von einer Milliarde Euro und kündigte an, selbst eine Milliarde Euro investieren zu wollen. Die Bonner erhielten eine Abfuhr aus Detroit.