Nachhaltigkeit

Beruflich erfolgreich durchstarten im Umweltschutz

Für viele Unternehmen ist Nachhaltigkeit ein Zukunftsthema. Gut ausgebildete Fachkräfte und engagierte Mitarbeiter sind daher gefragt.

Felix Herrmann studiert Energie- und Verfahrenstechnik. Er will an einer innovativen Wirtschaft mitwirken, die innerhalb ökologischer Grenzen arbeitet

Felix Herrmann studiert Energie- und Verfahrenstechnik. Er will an einer innovativen Wirtschaft mitwirken, die innerhalb ökologischer Grenzen arbeitet

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Den Umweltschutz und das Thema Nachhaltigkeit mit seinem Wissen vorantreiben und gestalten – darum geht es Felix Herrmann. Schon lange engagiert sich der 25-Jährige im Naturschutz. Seit Jahren schon arbeitet er bei Greenpeace mit, war bis Anfang dieses Jahres im Landesvorstand der Jugendabteilung im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Aktuell setzt er sich in einer Landwirtschaftsgruppe unter anderem für Bienenschutz und gegen den Einsatz von Pestiziden in Nahrungsmitteln ein. Mittlerweile macht Felix Herrmann seinen Master in Energie- und Verfahrenstechnik an der Technischen Universität (TU) Berlin. Ein eher klassisches Studium, das ihm aber bei seinem klar definierten Ziel helfen soll.

Der nächste Schritt zu diesem Ziel soll die Promotion in seinem Fachbereich sein. Anschließend strebt er den Weg in die freie Wirtschaft an. „Wir brauchen eine funktionierende, innovative Wirtschaft, die fair und nachhaltig innerhalb ökologischer Grenzen arbeitet“, sagt Herrmann. „Mein Ziel ist es, mich darin erfolgreich einzusetzen.“

Die Nachfrage nach Fachleuten ist immer mehr gestiegen

Kein Unternehmen komme mehr am Umweltschutz und am Thema Nachhaltigkeit vorbei, erklärt Ulrike Pink, Leiterin des Career Service der Hochschule für nachhaltige Entwicklung im brandenburgischen Eberswalde (HNE). Daher sei die Nachfrage nach Fachleuten mit entsprechender Ausbildung in den vergangenen Jahren gestiegen.

Entsprechend sind viele Studienangebote entstanden, die das Thema nachhaltige Entwicklung aufgreifen, wie die Webseite www.leitfaden-nachhaltigkeit.de der Freien Universität Berlin angibt (siehe Kasten).

Doch auch mit einer klassischen Ausbildung ohne direkten Bezug zu Ökologie und Umwelt kann man in die Bio-Branchen einsteigen. So wie Verena Graichen. Sie ist diplomierte Verwaltungswissenschaftlerin und arbeitet am Öko-Institut, einer unabhängigen Forschungs- und Beratungseinsrichtung im Energie- und Klimaschutz.

„Wir sind ein interdisziplinäres Team, zu dem Techniker, aber auch Sozialwissenschaftler und Juristen gehören“, sagt Graichen. „Wir forschen zu Umweltthemen und beraten Umweltministerien oder EU-Kommission, aber auch die Industrie.“

Für die Arbeit im Umweltschutz sei die Wahl des Studienfachs nicht so entscheidend, sagt sie. „Wichtig ist, zu studieren, was einem Spaß macht. Während der Studienzeit sollte man dann schauen, in welche Richtung man gehen will.“

Eine sinnstiftende Arbeit

Wer aus einem klassischen Beruf kommt und in ein Unternehmen einsteigt, das sich Umwelt- und Naturschutz verschrieben hat, tut dies meist bewusst. Es ist das Eine, in einem Konzern zu arbeiten, der eine Abteilung für Nachhaltigkeit hat – und das andere, wenn ein Unternehmen ganz im Zeichen einer größeren Idee steht. Es ist das Gefühl, etwas beizutragen, dass Ressourcen geschont werden und Menschen wie zum Beispiel Rohstoff-Produzenten fair bezahlt werden.

Kurzum: Eine Aufgabe, in der man einen Sinn sieht. „Alle Mitarbeiter, die in den letzten zehn Jahren zu uns gekommen sind, wollten in einer Firma arbeiten, deren Kern die Wertewelt des ökologischen Landbaus ist“, sagt Sabine Beer, Gründerin und Geschäftsführerin der Naturkosmetikfirma Santaverde in Hamburg.

„Uns ging und geht es um die höhere Qualität von Naturkosmetik, sie ist reiner“, sagt Beer. „Und sie schont unsere Umwelt mehr. Das ist auch der Grund, warum der Trend damals stärker wurde, bis heute hält und auch halten wird.“ Im zweistelligen Prozentbereich wächst die Naturkosmetikbranche laut Beer jedes Jahr – Bio ist die Zukunft. Und das gilt auch für die Arbeitswelt.

Nicht nur der Chef, auch das Team entscheidet über neue Mitarbeiter

Für Beer wichtig: „Man muss die Wertewelt der Nachhaltigkeit im Herzen tragen.“ Das gilt für die Chemie-Ingenieure, die bei Santaverde arbeiten bis hin zu den Einkäufern der Rohstoffe. „Wertewelt“, das bedeutet, dass die Mitarbeiter in jedem Detail an die Nachhaltigkeit denken: Die Einkäufer schauen, bei wem sie die Stoffe und Öle erwerben. Wen stärken sie mit dem Geld? Achtet man dort auf faire Löhne?

Auch innerhalb von Santaverde sind die Mitarbeiter gefragt. „Sie geben Anregungen, etwa, ob wir bei einer Bank sind, die zu unserer Philosophie passt. Oder auch Details wie Toilettenpapier in unserer Firma, das recycelbar ist“, erklärt Beer. Auch entscheidet bei Neueinstellungen immer das Team mit, in dem ein neuer Mitarbeiter arbeiten wird. Die Mitarbeiter werden nicht nur gefragt, ihr Job gibt ihnen das Gefühl, Umweltschutz mit zu gestalten.

Dies stellt auch Ulrike Schreiber fest. Sie ist zuständig für die Tierhaltung auf Gut Wulksfelde in Tangstedt und für die Ausbildung der Landwirte. „Man wird Landwirt, nicht Biobauer“, sagt Schreiber. Doch wer in einen Betrieb mit ökologischer Landwirtschaft einsteigen möchte, kann die Ausbildung aufteilen auf zwei Betriebe, darunter etwa ein Biohof.

Landwirte auf einem Bio-Hof

„Der Beruf ist sehr vielfältig“, sagt Schreiber, selbst Landwirtin. „Ich bin viel draußen, arbeite mit Tieren und Pflanzen, bin im Büro und brauche betriebswirtschaftliche Kenntnisse für Auflagen und Anträge, repariere einen Zaun, bringe ein Kalb auf die Welt.“ Viel Arbeit, selten nur von 9 bis 17 Uhr.

„Doch gut ausgebildete Landwirte sind gefragt“, so Schreiber. Es ist sicher auch eine Portion Idealismus nötig. Dafür weiß man, dass man mit seiner Arbeit etwas für Tier, Mensch und Natur tut, und sei es in kleinen Schritten. Ein befriedigendes Gefühl – das wahrlich nicht jeder in seinem Job hat.

Informationen zu Studiengängen und Stellenbörsen

Die Freie Universität Berlin bietet eine Datenbank mit 300 Studiengängen in den Bundesländern, die zudem auch ausführlich porträtiert werden. Zudem gibt es Infos zum Thema Nachhaltigkeit.

www.leitfaden-nachhaltigkeit.de

Die Unternehmensberatung Kugler & Rosenberger ist auf Firmen der „grünen“ Branchen spezialisiert. Sie hat eine Stellenbörse im Internet, ebenso gibt es viele andere Jobportale nur für grüne Berufe.

www.kugler-rosenberger.de www.biojob-boerse.de www. jobverde.dewww.greenjobs.dewww.oekojobs.dewww.goodjobs.de