Berlin

Wettkampf ums E-Auto

Volkswagen muss zur Konkurrenz aufschließen. Doch die liegt weit vorn

Berlin. Bei den Zulassungszahlen hatte Volkswagen in Deutschland 2015 sogar die Nase vorn: Von den 12.363 reinen Elektroautos, die 2015 neu auf die Straßen rollten, kamen 1648 aus Wolfsburg. Dabei handelt es sich aber um modifizierte Standardmodelle, vor allem den Kleinwagen Up. Und die Konzerntöchter Audi und Porsche haben gar keine reinen Stromer im Programm.

Volkswagen hat das Thema Elektromobilität lange weitgehend ignoriert – und die Konkurrenz zieht vorbei. Daimler will auf der Automesse in Paris ein reines E-Mobil vorstellen, das 500 Kilometer weit fährt und in den kommenden Jahren auf den Markt kommt. „Elektrisch und emissionsfrei“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, werde das Auto der Zukunft sein.

Technisch vorn ist allerdings unter den deutschen Autobauern BMW. Der i3 ist eine eigenständige Entwicklung, als reines Elektroauto voll auf Gewichtsersparnis ausgelegt – und schon seit 2013 auf dem Markt. Kritik gibt es allerdings auch an BMW: Der Konzern habe auf eine Nische gesetzt, die Leichtbaukarosserie sei teuer.

Der gefährlichste Konkurrent für die deutschen Autobauer kommt ohnehin nicht aus der Nachbarschaft, sondern aus den USA: Tesla, geleitet vom US-Starunternehmer Elon Musk, dominiert den Oberklasse-E-Auto-Markt bereits mit seinem Modell S. Nun bläst Musk zum Angriff auf den Massenmarkt: Das Modell 3 kann auch in Deutschland für 1000 Euro bereits reserviert werden, kommt Ende 2017 auf den Markt und soll rund 35.000 Dollar (31.000 Euro) kosten. Auch in China formiert sich eine schlagkräftige E-Auto-Industrie, gefördert durch den Staat, die womöglich bald Europa und die USA ins Visier nehmen möchte.

VW-Vorstandschef Matthias Müller will nun aufholen. Eine Woche vor der Hauptversammlung hat er die „Strategie 2025“ vorgestellt – und will endlich Batterietechnologie, Digitalisierung und automatisches Fahren zu „Kompetenzfeldern“ machen. 30 Elektroautos sollen in den nächsten zehn Jahren auf den Markt geworfen werden. Sogar das Gerücht, Volkswagen wolle eine Milliarden teure Batteriefabrik in Deutschland aufbauen, machte jüngst die Runde.

Tesla ist da schon weiter, der Konzern baut bereits an einer Akkugroßfabrik. In Musks Konzept einer Verknüpfung von Mobilität und Energiesektor passt, dass Tesla am Donnerstag bekannt gab, das ohnehin eng verbundene Unternehmen SolarCity mit eigenen Aktien aufkaufen zu wollen, für 2,6 bis 2,8 Milliarden Dollar. SolarCity ist auf die Installation und den Betrieb von Solaranlagen in den USA spezialisiert – und könnte zum Beispiel Geschäftsmodelle zum „Betanken“ von Teslas Stromern beisteuern.