Hauptversammlung

VW will Schadensersatzansprüche gegen Manager prüfen

Am Mittwoch hat die VW-Hauptversammlung begonnen. Die Konzernspitze nutzt diese für Entschuldigungen und Rechtfertigungsversuche.

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (l.) und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG (l.) und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats.

Foto: Peter Steffen / dpa

Hannover.  Der Volkswagen-Konzern hat sich bei seiner ersten Hauptversammlung seit Bekanntwerden der Abgasmanipulation im September der Kritik der Aktionäre gestellt. Sowohl Themen wie umstrittene Bonus-Zahlungen, fehlende Transparenz bei der Abgas-Affäre als auch mögliche Schadensersatzansprüche gegen Manager kamen auf den Tisch.

„Wir haben die Vorwürfe gleich öffentlich gemacht“, sagte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch gleich zu Beginn der Hauptversammlung hinsichtlich des umstrittenen Zeitpunkts der Veröffentlichung des Abgas-Skandals an die Finanzwelt – und entschuldigte sich vor den Aktionären. Die wichtigste Aufgabe sei nun, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. „Volkswagen steht in diesen Tagen vor der größten Bewährungsprobe seiner Unternehmensgeschichte“, sagte er weiter.

Volkswagen habe von „Anfang an vorbehaltlos mit allen Institutionen kooperiert“, um die Hintergründe der millionenfachen Manipulationen an Diesel-Motoren mit einer verbotenen Software aufzuklären. Damit stärkt der oberste Kontrolleur und ehemalige VW-Finanzvorstand den Mitgliedern des Vorstandes im September 2015 den Rücken.

Weg aus der Krise über Aufklärung des Skandals

Pötsch hat des Weiteren um Verständnis für den bisher fehlenden Zwischenbericht über die Aufklärung der Abgas-Krise geworben. Zum verschobenen Zwischenstand bei der Schuldfrage in der Affäre, den VW ursprünglich für April zugesagt hatte, sagte er: „Wir bedauern dies sehr. Diese Entscheidung war auch für mich persönlich sehr schwierig.“ Hintergrund sei die nötige Rücksicht auf eine Einigung mit den Behörden in den USA. Die Gemengelage bei den dortigen heiklen Verhandlungen mache eine öffentliche Transparenz mit Details zu den bisherigen internen Ermittlungen unmöglich. Den Weg aus der Krise sieht Pötsch neben der Aufklärung Affäre in einer Einigung mit den Behörden und Klägern in den USA.

Außerdem kündigte Pötsch an, dass der Aufsichtsrat „ohne Ansehen der Person“ Schadensersatzansprüche gegen ehemalige und amtierende Vorstandsmitglieder prüfen will. Aufsichtsrat und Vorstand blieben jedoch bei ihrem Vorschlag, beiden Gremien die Entlastung zu erteilen. Juristen zufolge gebe es trotz der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Marktmanipulation keine schwere Pflichtverletzung der Führungskräfte, die dagegen spräche.

Weiterer Rückruf-Freigabe für VW

Auf der Hauptversammlung des Autobauers hat VW-Konzernchef Matthias Müller außerdem bekanntgegeben, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Freigabe für europaweit rund eine Million zusätzliche Fahrzeuge erteilt hat. Damit hätten auf dem Heimatkontinent mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Diesel grünes Licht für die Nachbesserungen.

Wie zuvor geht es dabei zunächst nur um die 2,0 Liter großen Varianten des Skandalmotors EA189. Die kleineren Maschinen mit 1,2 und 1,6 Litern Hubraum sollen später im Jahr an die Reihe kommen.

Vergütungen des Vorstands verteidigt

Auch die umstrittenen millionenschweren Einkommen der Konzernvorstände hat Pötsch verteidigt. Schon die Milliardenverluste der Diesel-Krise hätten die vom Erfolg abhängigen Vergütungsbestandteile deutlich reduziert, zudem hätten die Vorstände auf freiwilliger Basis bei der variablen Vergütung Verzicht geübt. „In Summe aller Maßnahmen ergibt sich für ein im Jahr 2015 ganzjährig bestelltes Vorstandsmitglied ein im Vergleich zum Vorjahr um 57 Prozent reduzierter Auszahlungsbetrag“, sagte der VW-Chefkontrolleur.

Pötsch bekräftigte jedoch auch, dass die Vorstandsvergütung derzeit auf dem Prüfstand stehe. Das ist schon bekannt, unbekannt sind jedoch noch die Details zu den möglichen Veränderungen des Systems.

Die Millionen-Vergütungen der Vorstände hatten im Frühling für einen wochenlangen Streit im VW-Aufsichtsrat gesorgt. Die VW-Kontrolleure auf Seiten der Arbeitnehmer und des Großaktionärs Niedersachsen hatten sich weit größere Einbußen gewünscht. (dpa/rtr/jei)