Berlin

Studie: In Großstädten wird viel zu wenig gebaut

In Deutschland müssen pro Jahr 380.000 Wohnungen entstehen

Berlin.  In Deutschland werden zu wenige Wohnungen gebaut. Davon sind insbesondere Großstädte betroffen, an der Spitze Berlin. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die dieser Redaktion vorliegt. Demnach sei der Unterschied zwischen Baubedarf und Bautätigkeit nirgendwo so groß wie in der Hauptstadt. Nach Berechnungen des IW müssten in Deutschland bis 2020 rund 380.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden – tatsächlich sind 2015 aber nur 247.000 entstanden.

Dem zugrunde liegt die Annahme, dass bis 2020 jährlich weiterhin 500.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die Studie hat zwei Szenarien berücksichtigt, zum einen jenes, das auf diese Prognose der Bundesregierung eingeht. In dem zweiten Szenario endet die Zuwanderung ab 2017 abrupt. Auch dann würden jährlich immer noch 310.000 neue Wohnungen benötigt.

IW-Experte Michael Voigtländer bezeichnet die Situation als angespannt. „Mehr als die Hälfte des Wohnungsbaubedarfs entfällt auf die Großstädte.“ In Berlin müssten rund 31.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Tatsächlich sei zuletzt nicht einmal ein Drittel entstanden. Immerhin ist ein positiver Trend erkennbar: Während 2014 insgesamt 8744 Einheiten fertiggestellt wurden, gab es 2015 bereits rund 22.000 Baugenehmigungen. Diese Zahl bedeutet jedoch nicht, dass tatsächlich in diesem Umfang gebaut wird. Seit der Jahrtausendwende blieben in Berlin 25 Prozent der Genehmigungen ungenutzt.

Besonders zuspitzen wird sich die Lage am Wohnungsmarkt der Studie zufolge aber vor allem in Köln und Düsseldorf. Dort sind die Zahlen der Baugenehmigungen rückläufig. Nach Berlin werden in München mit 17.000 und Hamburg mit gut 15.000 die meisten zusätzlichen Wohnungen benötigt.

Leerstand vor allem auf dem Land

Während die Lage in den Großstädten angespannt sei, drohe auf dem Land eine zu starke Ausweitung der Bautätigkeit. Schon heute stünden in Deutschland 2,1 Millionen Wohnungen leer. Damit könnten theoretisch alle Schutzsuchenden versorgt werden. Leerstände gibt es jedoch zumeist in Regionen mit schlechter Infrastruktur, die nach Ansicht der Wissenschaftler nicht geeignet sind, Integration zu gewährleisten.

In Großstädten müssten daher Bauflächen ausgewiesen und Stadtviertel gegründet werden, um den Mangel in den Griff zu bekommen. „Flexible Konzepte“ würden benötigt, da Flüchtlinge in den 2020er-Jahren durchaus wieder zurück in ihre Heimatländer gehen könnten.