Volkswagen

VW präsentiert Strategie 2025 – Machtkämpfe im Hintergrund

Was wird aus VW? Der Autokonzern stellt seine Zukunfts-Strategie 2025 vor. Im Hintergrund kämpfen die Eigentümerfamilien um mehr Macht.

Matthias Müller wurde im September 2015 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und damit Nachfolger von Martin Winterkorn, der wegen der Abgas-Affäre zurückgetreten war.

Matthias Müller wurde im September 2015 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und damit Nachfolger von Martin Winterkorn, der wegen der Abgas-Affäre zurückgetreten war.

Foto: Uli Deck / dpa

Wolfsburg.  Volkswagen-Chef Matthias Müller stellt am Donnerstag die Zukunfts-Strategie des Konzerns bis zum Jahr 2025 vor. Dabei geht es weniger um die Lehren aus der Diesel-Krise, sondern vor allem um die Trendthemen Digitalisierung und alternative Antriebe wie die Elektromobilität. Außerdem werden Details zum laufenden Unternehmensumbau bekanntgegeben. Die Marken und Regionen sollen eigenständiger werden, damit aber auch mehr Verantwortung erhalten. Der Konzern betreut als Holding übergreifende Schnittstellen wie die Finanzen oder gemeinsame Sparmöglichkeiten.

Die Strategie 2025 löst den scheidenden Vorläufer ab, der bis 2018 reichte und den noch Müllers Vorgänger Martin Winterkorn aufgesetzt hatte. Die alten 2018-Ziele bedeuten vor allem „höher, schneller, weiter“ – mit ihnen wollten die Wolfsburger vorbei an Toyota und General Motors zum Weltmarktführer aufsteigen, der Hebel führte über mehr Modelle, mehr Verkäufe, mehr Märkte. Die Gewinnkraft aber litt darunter.

Nun wird erwartet, dass Müller mit der Strategie 2025 auch Themen wie Nachhaltigkeit, Rendite und vor allem die Dienstleistungen der digitalisierten Mobilitätswelt hervorhebt. Mit ihnen werden Autos zunehmend zu Apps auf Rädern, und Trends wie das Car Sharing rücken in den Vordergrund, der klassische Autobesitz tritt dagegen zurück.

Eigentümer wollen das Land Niedersachsen ausbooten

Auch die machtpolitischen Weichen werden bei VW in den kommenden Tage für die Zukunft neu gestellt. Es geht um den Einfluss der Eigentümer, um einen brisanten Plan, der das Machtgefüge des Konzerns tiefgreifend verändern könnte: Laut Insidern wollen die Familien Porsche und Piëch den Einfluss des Landes Niedersachsen auf das Unternehmen deutlich vermindern.

Die Eigentümerfamilien, die ihre 52,2 Prozent der stimmberechtigten Aktien in der Porsche SE gebündelt haben, wollen auf der Hauptversammlung am 22. Juni dem Dividendenvorschlag des Vorstandes nicht zustimmen, berichten Konzern-Insider. Sie wollten die Dividende streichen, nicht nur die vorgeschlagenen elf Cent je Stammaktie, sondern vor allem die geplanten 17 Cent je stimmrechtslose Vorzugsaktie.

Diese Dividende solle den Vorzugsaktionären im nächsten Jahr auch nicht vollständig nachgezahlt werden. Denn dann stehe den sonst stimmrechtslosen Papieren für ein Jahr satzungsgemäß „zwingend“ ein Stimmrecht zu. Dann sänke der Anteil des Landes Niedersachsen unter den Anteil von 20,0 Prozent der stimmberechtigten Aktien.

Dieser Moment könne ausgenutzt werden, um eine Kapitalerhöhung zu beschließen, an der das Land aus Geldmangel nicht teilnehmen werde. So könnte der Anteil Niedersachsens dann dauerhaft unter 20 Prozent fallen. Da bei VW wichtige Entscheidungen mit einer Mehrheit von mehr als 80 Prozent der Stimmen fallen müssen, hatte Niedersachsen mit seinen 20 Prozent de facto ein Vetorecht. Das fiele endgültig weg.

Was brächte der verwegene Plan?

Zwei Argumente für diesen Plan werden vor allem genannt: Die niedersächsische Landesregierung dränge auf vollständige Aufklärung des Dieselskandals. Das wollten die Familien Porsche und vor allem der voriges Jahr als Aufsichtsratschef zurückgetretene Ferdinand Piëch trotz anders lautender Lippenbekenntnisse lieber verhindern.

Und zweitens könne die Rolle Niedersachsens als „Renditebremse“ endlich dezimiert werden, da Niedersachsen zu Lasten der Rentabilität immer darauf achte, keinen Arbeitsplatz beim größten Arbeitgeber des Landes zu verlieren. Der Hedgefonds TCI hatte VW bereits gedrängt, die Arbeitskosten seien zu hoch, die Ausschüttungen zu gering. VW-Finanzchef Frank Witter hatte die Argumente nachvollziehen können. (BSO/dpa)