Berlin

Rüdiger Grube bleibt Chef der Bahn – vielleicht

Verkehrsminister Dobrindt verschiebt Entscheidung

Berlin. Echte Unterstützung sieht anders aus: Ungeachtet großer Unruhe beim Staatsbetrieb Deutsche Bahn will der Bund erst zum Jahresende über eine Vertragsverlängerung von Konzernchef Rüdiger Grube entscheiden. Diese Frage werde dann beantwortet, wenn sie sich stelle, und dies sei „zum Ende dieses Jahres und nicht zur Mitte dieses Jahres“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwoch in Berlin. „Deswegen gibt es dazu momentan überhaupt keine Überlegungen, weder in die eine noch in die andere Richtung.“

Der 64-jährige Grube würde gern über seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag hinaus an der Spitze der Bahn bleiben. Fragen wie diese würden dann „zum richtigen Zeitpunkt bewertet, wenn es um Personalentscheidungen geht“, sagte Dobrindt. Der Minister bekräftigte, dass der Bund die Strategie Grubes mit zusätzlichen Investitionen und einem Ausbau des ICE-Netzes unterstützt. Weitere Herausforderungen seien bessere Pünktlichkeit, kostenloses WLAN auch in der 2. Klasse der ICE und der Wettbewerb mit den Fernbussen. Ein Konzernverlust wie im vergangenen Jahr dürfe sich nicht wiederholen.

An der Spitze der Bahn tobt derzeit ein Machtkampf. Am Dienstag hatte Volker Kefer, stellvertretender Bahnchef und zuständig für Infrastruktur und Technik, überraschend seinen Rückzug angekündigt.

Weiteres Gutachten zu Stuttgart 21 geplant

Bei der Güterbahn DB Cargo zeichnet sich derweil ein Kompromiss ab. Der Bahn-Aufsichtsrat beriet am Mittwoch über ein Papier, auf das sich die Spitze von DB Cargo und der Betriebsrat verständigt hatten. Darin werde keine Zahl mehr für den Stellenabbau genannt, hieß es. Es sollten „weniger als 200 Güterverkehrsstellen geschlossen“ werden – vor allem kleine Verladestationen, die fast nicht mehr genutzt würden. Die Geschäftsführung hatte 2100 Arbeitsplätze streichen und 215 der 1500 Stationen schließen wollen. DB Cargo soll bis Ende 2018 wieder profitabel werden.

Der Aufsichtsrat der Bahn will sich mit einem weiteren Gutachten Klarheit über die Probleme bei Stuttgart 21 verschaffen. Bis September soll der Stand des Bauprojekts nochmals untersuchen werden – unter anderem um festzustellen, ob der Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro ausreicht.