Berlin

Wirtschaft beklagt „dramatische Lage“ bei Lehrstellen

Zehntausende Plätze unbesetzt – Angst vor Fachkräftemangel

Berlin. Trotz Zugeständnissen bei der Auswahl der Bewerber kann fast jeder dritte Betrieb in Deutschland nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Deutschlandweit waren dies im vergangenen Jahr 31 Prozent, im Osten sogar 45 Prozent. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). „Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Laut Statistischem Bundesamt begannen 2015 so wenige Jugendliche eine Berufsausbildung wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 516.200 Frauen und Männer traten eine duale Ausbildung an und damit 0,4 Prozent weniger als 2014. Mit dem Anheuern Lernschwächerer, Imagekampagnen und gezielten Angeboten konnten die Betriebe erreichen, dass die Zahl der Ausbildungsverträge nicht deutlicher gesunken ist.

Zwar konnten 2014 mit 32 Prozent etwas mehr Ausbildungsbetriebe nicht alle Plätze besetzen als 2015. Doch lag die leichte Verbesserung der Quote laut DIHK daran, dass viele Betriebe mangels Azubis ihren Status als Ausbildungsbetrieb verloren. Rund 14.000 Firmen fanden 2015 gar keine Lehrlinge. Zehn Jahre zuvor hatten nur zwölf Prozent der Betriebe nicht alle Plätze besetzen können.

Klage über mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse

Hauptgrund für die wachsenden Lücken sei der Mangel an geeigneten Bewerbern, obwohl drei von vier Betrieben auch lernschwächere Jugendliche einstellten. Schweitzer warf den Schulen vor, für mangelnde Deutsch- und Mathekenntnisse vieler Jugendlicher verantwortlich zu sein. Immer mehr Firmen – nämlich rund jede zweite – klagen laut der Umfrage darüber. Alarm schlug der DIHK wegen aus seiner Sicht wachsender Probleme mit Disziplin, Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft. Die Jugendlichen würden den Anforderungen auch in dieser Hinsicht häufig nicht gerecht.

Insgesamt bewerben sich laut Schweitzer rund sieben Prozent weniger junge Menschen um eine Ausbildung als vor zehn Jahren. „Gleichzeitig studieren rund 40 Prozent mehr“, sagte er. Angesichts schrumpfender Schulabgängerjahrgänge müssten Gymnasien stärker bei der Berufsorientierung helfen.