E-Roller

Die neuen Geschäftsmodelle für die Elektromobilität

Mehrere Firmen in Deutschland bieten Roller an, die mit Strom fahren. Auch eine Firma für Elektroroller-Sharing ist dabei am Start.

Elektromobilität auch für den Roller: Ein Berliner Start-up setzt darauf.

Elektromobilität auch für den Roller: Ein Berliner Start-up setzt darauf.

Foto: imago/HRSchulz

Berlin.  Bisher ist es nur eine Vision, dass viele Verkehrsteilnehmer in Deutschland mit Elektrofahrzeugen unterwegs sein könnten. Die Zahl der elektrischen Pkw ist bislang klein. Doch zahlreiche Firmen probieren neue Geschäftsmodelle aus. Ein Beispiel ist die Branche der Elektroroller.

Dies sind kleine Motorräder bis 50 Kubikzentimeter Hubraum, die man mit dem normalen Kfz-Führerschein fahren kann. Man braucht sie nur bei der Versicherung anzumelden. Statt mit Benzin fahren sie mit Strom aus der Steckdose. Einer der neuen Anbieter ist die Firma unu mit Sitz in Berlin.

Start-up setzte auf E-Roller

Das Unternehmen im Berliner Stadtteil Kreuzberg existiert seit 2013. Rund 2000 Exemplare seiner E-Roller seien mittlerweile auf Deutschlands Straßen unterwegs, sagt Geschäftsführer und Mitgründer Pascal Blum. Der Elektroroller beginnt sich gerade zu etablieren. Bislang fahren etwa 10.000 Roller elektrisch. Der weitaus größte Teil der insgesamt zwei Millionen Fahrzeuge bis 50 Kubikzentimeter Hubraum braucht noch Treibstoff auf Erdölbasis.

Um die Position des Marktführers konkurrieren die Berliner mit der Firma Emco aus Lingen in Niedersachsen, die hierzulande jährlich gut 1000 vergleichbare Roller verkauft. Weitere Mitbewerber sind beispielsweise Kumpan im rheinland-pfälzischen Remagen und Govecs in München. Genaue Stückzahlen veröffentlichen die Unternehmen nicht. Der Kaufpreis pro Exemplar liegt je nach Anbieter etwa zwischen 1700 und 4000 Euro.

E-Sharing-Modell in der Berliner Innenstadt

Auch ein Verleihunternehmen ist mittlerweile am Start, das sich auf Elektroroller konzentriert. EMio stellt die kleinen Fahrzeuge in der Berliner Innenstadt zur Verfügung. Die rund 8000 Leute, die gegenwärtig angemeldet sind, können per Smartphone suchen, wo der nächste Roller parkt, ihn ausleihen und am Zielort abstellen. Helme und Hygienehäubchen finden sich jeweils am Fahrzeug. Das Geschäftsmodell funktioniert so ähnlich wie das Carsharing bei Autos. EMio-Mitgründer Valerian Seither sagt, dass man an der Expansion in weitere deutsche Städte arbeite. Eine größere E-Roller-Flotte als in Berlin fahre bisher nur im amerikanischen San Francisco, so Seither.

Die Flexibilität der E-Roller ist ein wichtiges Argument für diese Art der Fortbewegung. Der entscheidende Punkt ist jedoch der Ökovorteil. Die klimaschädlichen Emissionen während der Fahrt betragen null – wegen des Elektroantriebs. Wenn man keinen Vertrag mit einem Ökostromlieferanten hat, verursachen die Roller allerdings trotzdem eine gewisse Belastung mit Kohlendioxid. Schließlich wird die Elektrizität in Deutschland noch zu gut zwei Fünfteln aus Stein- und Braunkohle gewonnen. Den CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer gibt Blum dann mit 16 Gramm pro Kilometer an.

Locker durch die City

Zum Vergleich: Benzinroller sind beispielsweise für 60 bis 80 Gramm klimaschädlicher Gase pro Kilometer verantwortlich. Durchschnittliche Pkw können bei 150 Gramm liegen. Mit einer Batterie, die sich an jeder Steckdose aufladen lässt, schafft man eine Entfernung von 50 Kilometern. Die Sitzbank bietet Platz für zwei Akkus, wodurch die Reichweite auf 100 Kilometer steigt. Unu produziert seine Roller nur auf Anfrage, nicht auf Vorrat. Die Lieferzeit zum Kunden beträgt etwa vier bis acht Wochen.

Den Service in größeren Städten übernehmen Bosch-Werkstätten. Die Batteriezellen stammen vom Unternehmen LG in Südkorea, die Roller werden in China zusammengebaut. Unu lässt sich garantieren, dass dort sämtliche Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingehalten werden. Dazu gehört, dass die maximale Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche nicht überschritten wird.

Nach Angaben der Beschäftigten sei die Bezahlung dort in Ordnung, sagt Blum, der die Fertigungsstätte mit seinem Team öfters besucht. Den Namen und den Standort der Firma nennt er allerdings nicht.