Berlin

Firmen zahlen seltener Urlaubsgeld

Beschäftigte erhalten immer seltener einen Zuschuss, auch weil viele Jobs nicht tarifgebunden sind

Berlin. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland muss den Urlaub in diesem Jahr ohne einen Zuschuss vom Arbeitgeber finanzieren. Nur 41 Prozent der Arbeitnehmer erhalten ein Urlaubsgeld. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Onlineumfrage des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. An der Studie beteiligten sich rund 6400 Personen.

Der Trend zum Urlaubsgeld ist seit Jahren rückläufig. Während 2013 noch 47 Prozent den Zuschuss erhielten, waren es 2015 nur noch 43 Prozent, immerhin noch zwei Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr. Weiterhin sind Arbeitnehmer bessergestellt, die in einem tarifgebundenen Betrieb beschäftigt sind. Fast zwei Drittel dieser Befragten gaben an, Urlaubsgeld zu beziehen, während das nur für rund ein Drittel der Beschäftigten ohne Tarifbindung galt.

Grund dafür könnte sein, dass generell weniger Menschen in tarifgebundenen Betrieben arbeiten. „Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor. 2015 haben noch 57 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben gearbeitet. Das ist ein leichter Rückgang, der sich seit einigen Jahren abzeichnet“, sagt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI­Tarifarchivs. Aber auch wenn es Geld gibt, sind damit nicht unbedingt teure Fernreisen finanzierbar. Wie hoch das tariflich vereinbarte Urlaubsgeld ausfällt, ist von Branche zu Branche sehr unterschiedlich.

Nach Angaben des WSI, das eine Auswertung für 22 Wirtschaftszweige gemacht hat, schwankt die Höhe des Zuschusses zwischen 155 und 2270 Euro, wobei am wenigsten Geld in der Landwirtschaft und im Steinkohlebergbau zu holen ist, während beispielsweise die Metall- und die Druckindustrie gut abschneiden. Im öffentlichen Dienst sowie in der Stahlindustrie gibt es statt eines gesonderten tariflichen Urlaubsgeldes eine mit dem Weihnachtsgeld zusammengefasste Jahressonderzahlung.

Die Telekom etwa zahlt ihren Mitarbeitern jährlich im Mai einen Zuschuss, der das frühere Urlaubsgeld ersetzt und sich nach Angaben eines Sprechers an der Entwicklung des Unternehmens sowie an der persönlichen Zielsetzung der Mitarbeiter orientiert. Für Beschäftigte bei der Deutschen Bahn AG wird das Urlaubsgeld in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet. In vielen Branchen gab es im Vergleich zum Vorjahr keine Erhöhung des Urlaubsgeldes. Der Grund für die Stagnation: „Wenn es in dem behandelten Zeitraum keine Tarifverhandlungen gab, wird auch das Urlaubsgeld nicht erhöht. In einigen Branchen wurde auch ein Festbetrag vereinbart, der nicht zwingend mit dem Tarifabschluss steigt“, sagt Bispinck.

Große Unterschiede zwischen West und Ost

Die sogenannte Gender-Pay-Gap (Lohnlücke zwischen Männern und Frauen) macht sich auch beim Urlaubsgeld bemerkbar. Während 49 Prozent der männlichen Beschäftigten den Zuschuss erhalten, sind es nur 35 Prozent der weiblichen. „Auch hier zeigt sich, dass Frauen generell in Branchen arbeiten, die schlechter zahlen. Außerdem sind viele weibliche Arbeitnehmer in Teilzeit und in eher kleinen Betrieben beschäftigt“, sagt Bispinck.

Die Zahlen bestätigen den Zusammenhang: In Kleinbetrieben mit weniger als 100 Beschäftigten gibt es nur für ein Drittel der Mitarbeiter Urlaubsgeld, in größeren Betrieben (mindestens 500 Beschäftigte) sind es 57 Prozent. Und auch wer monatlich wenig verdient (1000 bis 2000 Euro), bekommt selten Urlaubsgeld (29 Prozent). Wer seine Urlaubskasse aufpolstern will, tut gut daran, im Westen Deutschlands zu arbeiten: Dort erhalten 47 Prozent der Beschäftigten einen Zuschuss, während es im Osten nur 27 Prozent sind.