Wohnungsmarkt

Studie: Deutschland braucht jährlich 400.000 neue Wohnungen

Günstige Mietwohnungen sind Mangelware. Mindestens 80.000 Sozialwohnungen werden jährlich gebraucht. Ministerin will mehr investieren.

Ein Neubauprojekt für den sozialen Wohnungsbau in Hamburg: Mindestens 80.000 neue Sozialwohnungen werden jährlich gebraucht, meinen Experten.

Ein Neubauprojekt für den sozialen Wohnungsbau in Hamburg: Mindestens 80.000 neue Sozialwohnungen werden jährlich gebraucht, meinen Experten.

Foto: Michael Rauhe

Berlin.  Deutschland braucht nach einer aktuellen Studie des Instituts für Wohnungswirtschaft (InWis) mindestens 400.000 neue Wohnungen pro Jahr. Davon müsste rund 140.000 Wohneinheiten als Sozialwohnungen und Wohnungen im mittleren Preissegment gebaut werden, um die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnen zu befriedigen. „Gegenüber dem derzeitigen Niveau muss die Bautätigkeit um nahezu 50 Prozent gesteigert werden“, heißt es in der Studie „Instrumentenkasten Wohnungsbau“, die unserer Redaktion vorliegt.

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei es erforderlich, zusätzliche finanzielle Anreize für Investoren zu schaffen. Benötigt würde mehr preisgünstiges Bauland sowie steuerliche Anreize durch großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten. So sollte die lineare Absetzung für Abnutzung (AfA) von zwei auf drei Prozent erhöht und zusätzlich eine Sonderabschreibung für den Wohnungsbau eingeführt werden, so die Studie.

Hendricks will 800 Millionen Euro zusätzlich investieren

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hat mit Blick auf die Flüchtlinge ihren bisherigen Etat für sozialen Wohnungsbau 2016 auf eine Milliarde verdoppelt, 2017 soll er auf 1,3 Milliarden Euro steigen. „In den Städten und Gemeinden entscheidet sich, ob Integration gelingt. Bezahlbare Wohnungen sind dafür eine zentrale Voraussetzung – nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle. Ich will verhindern, dass es zu Konkurrenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen auf dem Wohnungsmarkt kommt. Wir brauchen 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen pro Jahr“, sagte Hendricks unserer Redaktion. „Das ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt. Darum ist es gut, dass wir als Bund ab dem nächsten Jahr 800 Millionen Euro zusätzlich in den Wohnungsbau und die soziale Stadtentwicklung investieren werden.“

Mieterbund fordert drei Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau

„Wir brauchen jährlich 80.000 neue Sozialwohnungen. Dies sind sechs Mal mehr als derzeit jährlich gebaut werden“, sagte Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB) unserer Redaktion. „Dazu müssen Bund und Länder mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr als Förderung zur Verfügung stellen.“ Die Zahl der Sozialwohnungen sind bundesweit seit 2002 von einst 2,5 Millionen auf heute nur noch 1,48 Millionen gesunken. 2014 wurden bundesweit nur 245.325 Wohnungen gebaut, darunter rund 12.500 Sozialwohnungen.

Gefordert sei nun die Politik, sagte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen: „Gas geben statt bremsen muss das Motto jetzt lauten. Wir brauchen einen Neustart und das insbesondere beim sozialen Wohnungsbau.“ Die Länder sollten dafür die Bundesmittel aufstocken und zweckgebunden einsetzen. „Ohne eine Kofinanzierung durch die Länder und eine Mitverantwortung des Bundes kann der soziale Wohnungsbau in Deutschland nicht funktionieren.“ Doch statt den Neubau mit den richtigen Instrumenten anzukurbeln, bremse die Politik ihn mit Eingriffen ins Mietrecht und immer neuen Verschärfungen der Energieeinsparvorgaben aus.

Branche trifft sich am Donnerstag zum Wohnungsbau-Tag

Die Wohnungsbauwirtschaft hat bereits Ende vergangenen Jahres konkrete Vorschläge erarbeitet, wie der Wohnungsbau angekurbelt werden könnte. „Dabei müsste die Politik die vorliegenden passenden Werkzeuge einfach nur zügig anwenden, um den Wohnungsbau in Fahrt zu bringen. „Wenn die Politik hier ihrer Verantwortung nicht gerecht wird, dann bleiben die Schwächsten in unserer Gesellschaft beim Wohnen auf der Strecke“, sagte Gedaschko.

Die Wohnungsbau-Branche trifft sich am Donnerstag in Berlin mit Vertretern der Bundesregierung und Landesministern zum Wohnungsbau-Tag 2016, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Regierungskoalition streitet unterdessen weiter darüber, welche Steueranreize gesetzt werden müssen, um den Mietwohnungsbau anzukurbeln. Noch zeichnet sich keine Lösung ab.