Berlin –

„Wir legen 5000 Euro jeden Monat drauf“

Bäuerin will Produktion für bessere Preise drosseln

Berlin. Für Sabine Schönleben-Nöhring geht es um die Existenz. Seit Generationen führt die Familie der 51-Jährigen einen Hof in Neustadt an der ­Aisch, dem Wahlkreis von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Doch die Nähe zu dem CSU-Politiker bringt ihr keinerlei Privilegien. Im Gegenteil. Die Milchbäuerin hat schon viele Krisen erlebt, doch derzeit sei ihre Lage so schlimm wie nie: „Wir legen jeden Monat 5000 Euro drauf.“ Ihre Familie lebe von einem Haushaltsgeld von monatlich 300 Euro – aus den Reserven. Um für faire Preise zu demonstrieren, ist sie zum Brandenburger Tor gekommen.

Auch ihre Tochter Kristina (25), die Landwirtschaft studiert hat und den Hof übernehmen will, zweifelt zunehmend an ihrem Lebensplan: „Von der Milch kann man keine Familie ernähren. So hat dies keine Zukunft.“ Kristina hat schon eine Halbtagsstelle in der Fachhochschule angenommen, um Geld dazuzuverdienen. Ihre Arbeit auf dem Hof erledigt sie kostenlos.

Auf dem Hof leben 75 Milchkühe. „Schon ein Cent pro verkauften Liter Milch weniger bedeutet für uns 5000 Euro weniger Einnahmen im Jahr“, rechnet die Bäuerin vor. Aktuell bekommt sie von ihrer Molkerei 23 Cent pro Liter. Um ihre Kosten zu decken, bräuchte sie mindestens 35 bis 40 Cent. Auf Subventionen will sie gerne verzichten. Vielmehr möchte sie wieder einen funktionierenden Markt – und kostendeckende Preise. Aus Sicht von Schönleben-Nöhring geht dies nur, wenn alle Milchbauern in Europa freiwillig ihre Produktion um drei bis fünf Prozent senken. „Das bekommen wir hin. Dann füttern wir eben weniger Kraftfutter.“ Doch bislang wurde die Familie von der Politik und Molkereien zum Gegenteil animiert, nämlich die Produktion zu steigern. „Wir melken uns zu Tode.“ Doch das Konzept, auf den Export zu setzen, sei nicht aufgegangen. „Wir müssen endlich umdenken.“ Auch persönlich. „Wir überlegen, uns Ziegen anzuschaffen und die Milchproduktion auf Bio umzustellen.“ Doch ob die Umstellung auf Biomilch, die derzeit noch bessere Preise am Markt erzielt, die beste Idee ist, daran zweifeln Mutter und Tochter: „Die Seminare dazu sind schon jetzt völlig überlaufen. Wenn auch dort das Angebot die Nachfrage übersteigt, platzt dort die nächste Blase.“