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Wie die Scheichs an Air Berlin verdienen

Etihad sammelt eine halbe Milliarde Dollar auf dem Kapitalmarkt ein und profitiert von Air Berlin. Die Airline schreibt rote Zahlen.

Flügzeuge der Air Berlin und ihres Hauptaktionärs Etihad  auf dem Flughafen-Vorfeld

Flügzeuge der Air Berlin und ihres Hauptaktionärs Etihad auf dem Flughafen-Vorfeld

Foto: imago

Berlin.  Aus der deutschen Perspektive wirkt die Fluggesellschaft Air Berlin wie eine dauerkranke Patientin, die nur mit finanziellen Infusionen ihres reichen Großaktionärs Etihad vom Persischen Golf am Leben gehalten wird. Mitbewerber Ryanair sagt sogar ein baldiges Ende der Airline voraus.

Doch aus internationaler Perspektive sieht die Lage anders aus: Da gilt die Berliner Airline als Umsatzmotor für Etihad und zugleich als Wirtschaftsfaktor für die Emirate. Eine Anleihe von 500 Millionen Dollar (450 Millionen Euro) der Etihad und ihrer Partner-Airlines wird frisches Kapital auch in die Kassen der Air Berlin spülen.

Die halbe Milliarde Dollar sollen in neue Flugzeuge und andere Investitionen sowie in die Refinanzierung der Schulden gesteckt werden, teilte das staatliche Unternehmen aus Abu Dhabi mit. Wie die Berliner Airline von dem eingesammelten Kapital profitieren wird, vermochte ein Sprecher am Donnerstag nicht zu sagen.

Insidern zufolge hat der Bond laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Rendite von 6,75 Prozent. Im September gab es eine ähnliche Anleihe über 700 Millionen Dollar. Neben der angeschlagenen Air Berlin ist Etihad unter anderem auch an Alitalia, Air Serbia und Air Seychelles beteiligt.

Etihad profitiert von Air Berlin

Der Aufbau des Partnernetzwerks hat sich für Etihad offenbar gelohnt, wie Etihad-Chef James Hogan kürzlich betonte. Die Erträge der Equity-Investments seien "ein Vielfaches höher" gewesen als die Investments dafür. "Weniger als drei neue Flugzeuge", so Hogan, habe das Investment betragen.

Wie es scheint, stimmt die Rendite: Fünf Millionen neue Kunden habe die Airline gewonnen und einen Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 1,25 Milliarden Euro) generiert. "Wenn das kein smartes Geschäft ist", freute sich Hogan.

Selbst mit der defizitären Air Berlin, die an der Börse gerade einmal 93 Millionen Euro wert ist, macht nach Hogans Worten "unglaublich hohe Renditen", die "weit über unseren Erwartungen liegen".

Tourismus-Boom in den Emiraten

Allerdings schränkt er ein, es habe "länger als angenommen gedauert", nachhaltige Rentabilität zu erreichen. Trotzdem: Hogan zufolge hat Air Berlin bislang "Erträge von über 500 Millionen Dollar für Etihad Airways erwirtschaftet". das entspricht 450 Millionen Euro.

Weiter heißt es in einer Etihad-Mitteilung: "Heute bringt uns Air Berlin direkte Umsätze in Höhe von über 150 Millionen US-Dollar pro Jahr." Doch das ist nicht alles. Denn indirekt sorgt die Partnerschaft mit Air Berlin "für ein jährliches Budget von 630 Millionen US-Dollar für die Wirtschaft in Abu Dhabi". Damit sind vor allem Einnahmen aus dem Tourismus gemeint.

Allerdings hat Etihad auch erheblich in Air Berlin investiert. Der Konzern hält knapp 30 Prozent der Aktien. Die Araber gewährten den Berlinern für 2016 ein Darlehen über 75 Millionen Euro und bürgten für zwei Bankdarlehen über insgesamt 250 Millionen Euro. Aus einem anderen Etihad-Darlehen über 255 Millionen Dollar hat Air Berlin 30 Millionen Dollar noch nicht genutzt.

Fusionspläne mit Alitalia dementiert

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass Etihad an seinen Beteiligungen festhält, auch wenn diese in den tiefroten Zahlen stecken. Einem Branchenbericht zufolge hatte Hogan sich zuletzt gegen eine Fusion von Air Berlin und Alitalia ausgesprochen. Darüber hatte das "Handelsblatt" Mitte April spekuliert.

Grund war damals die Ankündigung von Air Berlin, enger mit den Italienern zusammenzuarbeiten. Vereinbart wurden Codeshare-Verbindungen auf mehr als 1400 Flügen pro Woche und 91 gemeinsame Codeshare-Strecken – davon 56 Nonstop-Strecken und wöchentlich 750 Flüge zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

Beim Codesharing teilen sich Fluggesellschaften einen Flug und vermarkten ihn, als wäre es ihr eigener. Dadurch erweitern sie ihr Netzwerk und steigern ihre Umsätze. Etihad braucht Code-Share-Partner. Denn sie darf in der EU nur eine beschränkte Zahl von Zielen ansteuern.

Gericht erlaubte Gemeinschaftsflüge

Im vergangenen Winter, als Etihad sich mit dem Bundesverkehrsminister um die Rechtmäßigkeit von 31 Code-Share-Flüge stritt, spielte Air Berlin unterstützt von Lokalpolitikern zuletzt die Mitleidskarte. 8000 Arbeitsplätze bei Air Berlin stünden auf dem Spiel, hieß es damals bei Etihad. Air Berlin sekundierte, es drohe ein Verlust von 140 Millionen Euro, wenn es für das juristisch umstrittene Codesharing keine erneute Sondergenehmigung gebe.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erklärte die Codeshare-Praxis schließlich für rechtens. Als die Berliner dann wenige Wochen später einen der erstrittenen Fluge (Stuttgart-Abu Dhabi) aus dem Flugplan strichen, der sich offenbar nicht rechnete, sorgte das in der Branche für Verwunderung.

Tiefrot ins neue Jahr geflogen

Air Berlin war nach dem Rekordverlust im Jahr 2015 zum Jahresbeginn tiefer in die roten Zahlen geflogen. Der Betriebsverlust weitete sich auf 172 Millionen Euro aus, nach einem Fehlbetrag von 160 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Diskussion um die Gemeinschaftsflüge mit Etihad sowie die Anschläge in Ägypten und der Türkei hätten das Geschäft belastet, erläuterte Konzernchef Stefan Pichler damals. Der Umsatz schrumpfte um gut sieben Prozent auf 737 Millionen Euro. Air Berlin und Etihad beförderten 2015 im Rahmen ihrer Partnerschaft 720.000 Fluggäste.

Unterdessen sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary der Air Berlin in der " Zeit" das Ende voraus. Sie habe "keinen strategischen Kurs". Etihad werde seine Anteile in wenigen Jahren an Lufthansa verkaufen, ist O'Leary überzeugt und sieht seinen Konzern auf dem Weg zu Deutschlands zweitgrößter Airline. Ryanair steigerte seinen Umsatz 2015 um 16 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro und will die Zahl der Fluggäste 2016 um neun Prozent auf 116 Millionen erhöhen.

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