Studium

Warum Unis ungenügend auf das Studium vorbereiten

Laut einer Studie sind Online-Tests für die Fächerauswahl häufig wenig fundiert. Dabei müssten die Unis ein Interesse daran haben.

Studenten in einem Uni-Hörsaal – viele von ihnen sind unvorbereitet ins Studium gestartet, viele von ihnen werden abbrechen.

Studenten in einem Uni-Hörsaal – viele von ihnen sind unvorbereitet ins Studium gestartet, viele von ihnen werden abbrechen.

Foto: Thomas Frey / dpa

Berlin.  Die achtzehnjährige Sarah interessiert sich für Mathematik. Aber was kommt im Studium auf sie zu? Passt der Unterrichtsstoff zu ihren Neigungen? Gibt es einen Beruf, den sie damit später ergreifen kann und der sie auch interessiert?

So wie der Berlinerin geht es jedes Jahr Tausenden von Studenten in Deutschland. Rund 14.500 Studiengänge stehen zur Verfügung. Mehr als jeder vierte Bachelorstudent (28 Prozent) bricht sein Studium wieder ab. Das geht aus einer neuen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor.

Viele Abbrecher in Mathe und Naturwissenschaften

Am höchsten ist die Quote im Bereich Mathe und Naturwissenschaften. Eigentlich sollen sogenannte Online-Self-Assessments, kurz OSA, Studenten vorbereiten. Diese Tests, auf den Webseiten der Hochschulen, fragen gezielt Interessen, Neigung und Talent für ein bestimmtes Fach ab.

Doch die Tests bringen nicht den gewünschten Erfolg. Laut einer Untersuchung im Auftrag des Stifterverbands, die dieser Zeitung exklusiv vorliegt, erfüllen die Hochschulen diese Aufgabe unzureichend. So sind nur 61 Prozent der untersuchten Tests wissenschaftlich begleitet worden. Nur 47 Prozent der Universitäten geben an, dass sie ihre Eignungstest auch wissenschaftlich fundiert haben.

Aachen, Marburg und Braunschweig sind top

Offenbar nehmen viele Universitäten die Aufgabe nicht ernst genug, von 260 einzeln angeschriebenen Unis haben nur 92 an der Erhebung überhaupt teilgenommen. Elke Völmicke, Geschäftsführerin des Talentförderzentrums Bildung & Begabung von Bund und Ländern, sagte dieser Zeitung: „Die Hochschulen müssen ihre Verantwortung ernst nehmen, den Studienanfängern Orientierung zu bieten. Die Jugendlichen treffen mit der Studienwahl eine zentrale Entscheidung für ihren Berufserfolg.“ Gutes Online-Self-Assessment sei nach wissenschaftlichen Kriterien programmiert.

Wenn das nicht entsprechend eingesetzt würde, sei das bedauerlich. Auch der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Bernhard Kempen, kritisierte kürzlich, dass in einigen Fächern Abiturienten ankämen, die trotz guter Noten gar nicht studierfähig seien. Gerade in Mathematik gebe es erhebliche Schwierigkeiten. Eine bessere Koordination zwischen Schule und Universität sei wünschenswert.

Nur drei Unis bereiten der Untersuchung zufolge online fundiert auf ein Studienfach vor: Die RWTH Aachen, die Philipps-Universität Marburg und die Technische Universität Braunschweig bieten insgesamt Tests für 31 Fächer an. Diese sind nun gebündelt unter www.check-wunschstudium.de.