Discounter

Aldi-Markt der Zukunft soll auch Café und Kantine sein

Aldi-Süd bewirbt offensiv seine „Filiale der Zukunft“. Mit neuem Design reagiert der Discounter auf Angebote der Supermarkt-Konkurrenz.

Unterhaching.  In Bayern hat der Discounter Aldi-Süd die selbst betitelte „Filiale der Zukunft“ präsentiert. Mit saftigem Obst, glänzenden Kühltheken und heißem Kaffee antwortet der Discounter nicht nur auf Kundenwünsche, sondern auch auf die Konkurrenz.

Die Konkurrenz des Unternehmens mit Sitz in Mülheim an der Ruhr ist nicht nur der Wettbewerber im Niedrigpreissektor Lidl, sondern zunehmend auch Supermärkte wie Edeka und Rewe. Von Neujahr bis Ostern stiegen die Umsätze der Supermärkte um 3,8 Prozent – die Discounter legten nur um 2,9 Prozent zu, hat der Marktforscher GfK errechnet. Das liegt unter anderem daran, dass die Supermärkte mit ihren Eigenmarken ähnlich niedrige Preise anbieten wie die Discounter. Doch neben den günstigen Produkten bekommt der Kunde bei Supermärkten eine größere Auswahl an Spezialitäten und frischen Lebensmitteln.

Aldi scheint diesen Umstand nun umkehren zu wollen und baut seine Märkte nach und nach um. Den Anfang macht die „Filiale der Zukunft“ in Unterhaching bei München, den der Discounter in einer Pressemeldung und Hochglanzbildern präsentiert. Hatte der Discounter bisher aus Paletten und grünen Plastikkisten die Gemüsetheke zusammengebaut, gibt es nun Theken, die mit ihrem Aufdruck an Hofläden und Bauernmärkte erinnern. Ein Merkmal des Aldi-Designs fehlt in dem neuen Markt auch: die großen Preisschilder über den Tischen mit Elektrogeräten, Kleidung und anderer Aktionsware sind verschwunden. Die „Filiale der Zukunft“ wirkt aufgeräumter als seine Vorgänger. „Wichtig war, eine entspannte Atmosphäre zu erzeugen, wie es der Kunde vom Vollsortimenter kennt.“, sagt die Geschäftsführerin des Marktes bei München, Jeanette Thull.

Wenn es doch mal etwas länger dauert...

Wesentlich entspannter für den Kunden könnte die Suche nach Gemüse werden. Die Obst- und Gemüsetheke rückt in Zukunft in den hinteren Bereich. Der Kampf um den letzten frischen Spargel muss demnächst also nicht mehr zwischen zwei Kassenschlangen und drängelnden Einkaufwagenfahrern im vorderen Teil stattfinden. Wenn es aber doch mal etwas stressiger wird und der Einkauf länger dauert, hält Aldi mehr kalte Getränke, frische Salate und hinter dem Kassenbereich einen Kaffeeautomaten bereit.

Damit kein Stress entsteht sollen auch die Kassen der Zukunft angepasst werden. So soll der Kunde mit EC-Karte oder Handy noch einfacher bezahlen können. Statt die Geldkarte in einen Gerät zu stecken und eine Geheimzahl einzugeben, wird die Karte nach dem Kassieren in Zukunft einfach an dem Terminal vorbeigezogen oder aufgelegt. Ähnlich funktioniert es mit Smartphones, die Bezahlfunktionen unterstützen. Im besten Fall signalisiert der Kunde dem Kassierer wie er bezahlen möchte und geht einfach an der Kasse vorbei, weil Geldkarte oder Handy auch in der Hosentasche von der Kasse erkannt werden.

Doch genau diese Kassentechnik erinnerte in den vergangenen Jahren eher an die Vergangenheit als an die Zukunft. Ein Software-Problem bei Aldi-Süd machte im vergangenen Jahr in einigen Märkten im Ruhrgebiet Zahlungen weitestgehend unmöglich. Die Marktleiter konnten ihre Filialen damals nur noch schließen. Zuletzt wurden Aldi-Süd-Kunden nach Einkäufen von Doppelbuchungen auf ihrem Konto überrascht. Bei Kunden der Sparkassen, der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Postbank wurden die Einkäufe doppelt vom Konto abgebucht. Der Fehler lag vermutlich beim Betreiber der Bezahlterminals an den Kassen, doch bei vielen Kunden ist danach das Vertrauen in digitale Bezahlung nicht größer geworden.

Der Discounter wird zur Kantine

Das Vertrauen der Kunden will Aldi vor allem mit frischen Produkten zurückgewinnen. Mit dem größeren Angebot an frischen Produkten reagiert Aldi-Süd offensichtlich auf Lidl. Seit längerem gibt es dort eine Auswahl an frischen Gerichten, die in der Mikrowelle aufgewärmt vor allem eine Alternative zum Kantinenessen sein sollen. Aldi-Nord bietet solche Gerichte sogar schon im täglichen Wechsel an. Rewe geht bei Frischprodukten noch einen Schritt weiter: Einige Märkte gleichen in Teilen schon Filialen von Fast-Food-Restaurants mit einer Salattheke. Discounter und Supermärkte wollen so zur Alternative zu Imbissen und Kantinen werden.

Aldi-Süd erfindet mit der „Filiale der Zukunft“ nicht das Einkaufen neu, sondern vereint einiges in seinem Markt, das es woanders schon gibt – zum Beispiel auch im eigenen Konzern. In einem Markt in Mülheim an der Ruhr wurde der nun angepriesene Kaffeeautomat etwa schon seit einiger Zeit erprobt. Neben vielem Neuen setzt Aldi-Süd weiterhin auf Bewährtes, wie den Brotbackautomaten. In der Branche hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass Aldi den Automaten, der warme Brötchen und Brot ausspuckt, wieder abschaffen würde. Die letztendlich nicht erfolgreiche Klage von Bäckern hatte die Spekulationen angeheizt, in dem Gerät würde nicht gebacken, sondern nur erwärmt.

In Unterhaching findet sich nun ein Automat wieder, der sich äußerlich von den bisherigen Brotproduzenten unterscheidet, aber auch er spuckt warme Brötchen aus. (mit dpa)