Wolfsburg –

Britischer Investor TCI greift VW-Spitze an

Aufsichtsrat des Konzernssieht Attacken gelassen

Wolfsburg.  Volkswagen droht eine Revolte unzufriedener Aktionäre. Der britische Investor TCI, der für seine aktivistischen Kampagnen bekannt ist, erhebt in einem Schreiben an Vorstand und Aufsichtsrat schwere Vorwürfe gegen die Führung des Wolfsburger Konzerns. Sie habe binnen sechs Jahren 400 Millionen Euro eingestrichen. „Das sind unternehmerische Auswüchse epischen Ausmaßes“, heißt es in dem Brief von TCI-Gründer und -Chef Chris Hohn. „Das Management ist für sein Scheitern belohnt worden.“ Das müsse sich dringend ändern. TCI hält nach eigenen Angaben zwei Prozent an der „VW/Porsche-Gruppe“.

Der VW-Aufsichtsrat reagiert bislang gelassen. „Natürlich ist das keine gute Nachricht, aber ich gehe nicht davon aus, dass uns das vor größere Probleme stellen wird“, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums am Sonntag. Dies gelte auch für die TCI-Kritik an der VW-Machtarchitektur. Ein Volkswagen-Sprecher wollte das Thema am Wochenende nicht kommentieren.

Unklar ist, wie TCI Einfluss bei VW mit seiner stabilen Aktionärsstruktur gewinnen will. Der „Financial Times“ zufolge handelt es sich beim zweiprozentigen Anteil im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro um Vorzugsaktien, die nicht stimmberechtigt sind. Aus dem Umfeld eines anderen Aufsichtsrates hieß es, die Einflussmöglichkeiten der Aktionäre bei VW seien durch die Verteilung der stimmberechtigten Stammaktien auf die Familie Porsche/Piëch, das Land Niedersachsen und den Großaktionär Katar sehr begrenzt.

Demzufolge dürfte der Finanzinvestor TCI VW abseits von neuer Unruhe – insbesondere bei der Hauptversammlung am 22. Juni in Hannover – zunächst keine größeren Probleme bereiten, lautete die übereinstimmende Einschätzung. „Dies gilt logischerweise auch mit Blick auf die Gefahr einer Übernahme, die natürlich kein Thema ist“, hieß es.