Wirtschaft

Mit ehrlichem Kaffee zum GewinnDas Social-Start-up „Coffee Circle“ zieht Bilanz und will expandieren

Eine-Welt-Läden, die sich dem fairen Handel verschrieben haben, gibt es seit den 60er-Jahren in Deutschland. Damals hießen sie noch Dritte-Welt-Läden, doch das galt bald nicht mehr als politisch korrekt. Seit fünf Jahren gibt es Vergleichbares auch im Internet. Das Social-Start-up „Coffee Circle“ zog jetzt nach dem erstmaligen Schritt in die Gewinnzone Bilanz. Das Berliner Unternehmen verkauft Kaffee und finanziert mit dem Erlös soziale Projekte in unterentwickelten Ländern. Die im Jahr 2010 von ausgestiegenen Unternehmensberatern gegründete Firma brauchte fünf Jahre bis zur Profitabilität. Heute beschäftigt sie 25 Mitarbeiter und verkaufte bislang 200 Tonnen Kaffee – gesplittet in 7000 Bestellungen pro Monat von ungefähr 3000 Abonnementskunden.

Das Social-Start-up betreibt direkten Handel mit den Kaffeebauern in ausgewählten Anbaugebieten. Nach Angaben des Unternehmens erhalten die Bauern Preise, „die deutlich über Weltmarktpreisniveau liegen und in Abstimmung mit den Kooperativen gezahlt werden“. Zusätzlich fließt pro verkauftem Kilogramm Kaffee ein Euro in soziale Aktivitäten, die in Äthiopien mit der Hilfsorganisation Welthungerhilfe realisiert werden. Dadurch wurden nach Angaben des Unternehmens Spenden in Höhe von 200.000 Euro generiert, die den äthiopischen Kaffeebauern zugutekommen sollen. Mit den Spenden sollen Trinkwasserprojekte in den Anbauregionen angeschoben werden.

Im Angebot sind unterschiedliche Sorten zu Kilopreisen zwischen 20 und 43 Euro – wahlweise als Bohne oder gemahlen sowie in 350-Gramm- und Kilotüten – seit Mitte 2014 auch als Kapseln. Nach Unternehmensangaben werden die biozertifizierten Produkte ohne den Einsatz von Pestiziden im äthiopischen Hochland angebaut und von Hand geerntet.

Auf der Website werden Abo-Modelle beworben: Der Kaffee kommt dann in vorgegebener Taktung und Menge per Kurier ins Haus. Der Erfolg der vergangenen Monate ermutigt das Unternehmen zur Expansion. Wie zu hören ist, soll in diesem Jahr eine eigene Rösterei in Wedding eröffnet werden. Zusätzlich zum Kaffee aus Äthiopien sollen Bohnen aus Kolumbien in das Programm genommen werden.

Der Weg in die Gewinnzone war für den im Kreuzberger Betahaus entstandenen „Coffee Circle“ schwer. Nach einem Investment von Tengelmann Ventures 2011 und einer Anschlussfinanzierung durch den Schweizer Wagniskapitalgeber Howzat Partners 2014 in ungenannter Höhe geriet das Unternehmen in schweres Fahrwasser: Wie Marketing-Chefin Katrin Engel schreibt, wurde 2014 die Hälfte der Belegschaft entlassen, weil die Firma tief in den roten Zahlen war. Man habe sich damals von Partnern und nicht funktionierenden Marketingkonzepten verabschiedet. „Wachstum mit der Brechstange funktionierte für uns nicht.“ Das will das Weddinger Start-up jetzt in kleineren Schritten versuchen.