Brüssel –

Volkswirtschaften der EU trotzen den Krisen der Welt

Finanzkommissar Moscovici legt Frühjahrsgutachten vor

Brüssel.  Die europäische Wirtschaft ist trotz ihrer nur bescheidenen Erholung robust genug, um die schlechteren globalen Rahmenbedingungen abzuwettern. So lautet die zentrale Aussage des Brüsseler Frühjahrsgutachtens für die EU-Volkswirtschaften. Die Experten um Finanzkommissar Pierre Moscovici rechnen in der Eurozone für das laufende Jahr mit 1,6 Prozent und für 2017 mit 1,8 Prozent Zuwachs der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt – BIP). Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst prognostiziert. Für die gesamte EU liegen die Vorhersagewerte geringfügig höher.

„Das Wachstum in Europa hält dem schwierigeren globalen Umfeld stand“, erklärte Moscovici am Dienstag. Bremsfaktoren seien etwa die Schwäche Chinas und anderer Handelspartner. Der wieder steigende Eurokurs, der den Export dämpft, hemme das Wachstum ebenso wie der erwartete Wiederanstieg des Ölpreises sowie mögliche Auswirkungen geopolitischer Spannungen. Die großzügige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank belebe hingegen die Investitionstätigkeit.

Konjunktureuropameister bleiben die Iren. Nach der Finanzkrise weiterhin auf dem Genesungspfad, kommen sie laut Prognose 2016 beim BIP auf ein Plus von 4,9 Prozent. Die größeren Volkswirtschaften tun sich schwerer. Mehr als zwei Prozent schaffen von den Top Vier der Eurozone nur die Spanier (2,6). Deutschland liegt mit 1,6 Prozent auf Euro-Schnitt, Frankreich (1,3) und Italien (1,1) schneiden dürftig ab.

Franzosen und Spanier werden auch in den kommenden beiden Jahren beim Staatsdefizit das Maastricht-Limit von maximal drei Prozent des BIP verfehlen und so in der Eurozone das Schlusslicht bilden. Griechenland, aktuell wegen seines Sanierungsprogramms wieder im Clinch mit den Geldgebern, soll 2016 mit 3,1 Prozent knapp über dem Richtwert bleiben, im nächsten Jahr aber mit 1,8 Prozent Neuverschuldung auskommen.

Staatsverschuldung der EU-Länder unverändert hoch

Kaum Fortschritte gibt es hingegen beim Abbau alter Staatsschulden. Nur fünf der 19 Euroländer halten den Grenzwert von maximal 60 Prozent des BIP ein. Griechenland (182,8 Prozent), Italien (132,7), Portugal (126) und Belgien (106,4) liegen massiv darüber. Ein nennenswerter Rückgang steht weder in der Eurozone, noch im Rest der EU an. Mögliche Konsequenzen will die Kommission erst am 18. Mai bekanntgeben.

Verhalten positiv sehen die EU-Ökonomen die Entwicklung bei der Beschäftigung und den Preisen – die Arbeitslosigkeit sei leicht rückläufig, die Inflation steige in der zweiten Jahreshälfte. Sorgen macht hingegen das wachsende Wohlstandsgefälle. Der Aufschwung sei im Euroraum weiterhin ungleich verteilt. „Sowohl zwischen den Mitgliedsstaaten als auch zwischen den Schwachen und Starken innerhalb der Gesellschaft“, sagte Moscovici.