Abgas-Skandal

Volkswagen ruft 15.000 Golf-Diesel in die Werkstätten

Erst einige tausend Diesel sind bei VW von der Betrugssoftware befreit worden. Mit dem Vorzug des Golfs soll sich das jetzt ändern.

Weil das Kraftfahrt-Bundesamt VW die Freigabe für die Umrüstung von rund 160.000 Passat-Modellen verweigert, zieht der Konzern den Golf TDI Blue vor.

Weil das Kraftfahrt-Bundesamt VW die Freigabe für die Umrüstung von rund 160.000 Passat-Modellen verweigert, zieht der Konzern den Golf TDI Blue vor.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wolfsburg.  Der schleppende Diesel-Rückruf bei Volkswagen geht nur in ganz kleinen Schritten voran: Von diesem Dienstag an werden rund 15.000 Modelle des Golf TDI Blue Motion mit 2,0 Liter-Motor und Schaltgetriebe in den Vertragswerkstätten von der Betrugs-Software befreit. Per Post sollen die Besitzer zunächst von Europas größtem Autobauer darüber informiert werden. VW reagiert mit dem Vorziehen des Golfs auf massive Probleme bei der Passat-Umrüstung.

Denn der ursprünglich bereits für Ende Februar geplante Start der Werkstattbesuche für rund 160.000 Passat-Modelle konnte bislang nicht umgesetzt werden. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verweigert VW die Freigabe. Offizielle Begründungen hierfür gibt es keine. Angeblich seien unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich.

Probleme auch bei anderen Modellen

Damit konnte VW bis Anfang Mai gerade einmal den vom Diesel-Skandal ebenfalls betroffenen Pickup Amarok in die Werkstätten rufen. Laut einem Sprecher der Konzerntochter VW-Nutzfahrzeuge konnten bislang knapp 6300 der 8500 Fahrzeuge erfolgreich umgerüstet werden. Anfang April erteilte das KBA zudem für rund 90.000 betroffene Fahrzeuge der VW-Töchter Audi und Seat die Genehmigung für den Rückruf.

Die große Masse der weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeuge, davon rund 2,5 Millionen in Deutschland, muss damit weiter auf eine Freigabe warten. In der vergangenen Woche hatte auch VW-Chef Matthias Müller erstmals offiziell Probleme beim Rückruf eingeräumt: „Wir sind damit noch nicht so weit, wie wir es gerne wären.“ Zahlen nannte er keine, intern soll VW den Verzug zwischenzeitlich bereits auf rund 250.000 Fahrzeuge beziffert haben. Müller schloss deshalb auch nicht aus, dass der Rückruf nicht wie angekündigt im laufenden Jahr abgeschlossen werden kann.

Kunden erhalten in Deutschland keine Entschädigung

In Deutschland dauert die Software-Umrüstung laut VW rund 30 Minuten. Da bei den 1,6 Liter-Maschinen zudem ein neues Motorbauteil notwendig ist, soll die Umrüstung hier rund eine Stunde dauern. Für die Kunden ist der Werkstattbesuch kostenlos, anders als in den USA sollen sie aber keine Entschädigungen erhalten.

Viele VW-Werkstätten hatten sich eigens für die Rückrufe personell verstärkt. Infolge der fehlenden Freigaben fehlten in den vergangenen Wochen aber die Aufträge. Dies soll sich nun ändern. Zeitgleich zur Informationspost aus Wolfsburg soll den Werkstätten am Dienstag die notwendige Software zur Verfügung gestellt werden. „Grundsätzlich sind sie dann ab sofort in der Lage, die Aktion bei den Modellen durchzuführen“, sagte ein VW-Sprecher. (dpa)