Bielefeld –

Middelhoff wünscht sich Haftvollzug als Freigänger

Ex-Arcandor Manager beginnt eine Tätigkeit in den Bethelschen Rehabilitations-Werkstätten

Bielefeld.  Der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff (62) hat am Montag seinen Job als Hilfskraft in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld angetreten. In der Einrichtung der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel wird der frühere Bertelsmann-Vorsitzende und Ex-Arcandor-Chef als Assistent den Fachkräften zur Hand gehen. „Tisch decken, abdecken, aufräumen, Dinge von A nach B tragen“, beschrieb Martin Henke, Geschäftsführer der Bethelschen Rehabilitations-Werkstätten „Pro Werk“ Middelhoffs Aufgaben.

Etwa 160 Menschen mit Behinderung und 40 weitere Mitarbeiter arbeiten unter dem Dach der Einrichtung im Bielefelder Ortsteil Eckardtsheim.

Middelhoff, der 2014 vom Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt wurde und die Strafe in Kürze antreten soll, hatte nach Angaben der Stiftung selbst in Bethel wegen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung angefragt.

„Ein solches Anstellungsverhältnis würde ihm unter Umständen den Haftvollzug als Freigänger ermöglichen“, erklärte die Stiftung. Middelhoff erhält für seine Tätigkeit in der Einrichtung einen Bruttoverdienst von monatlich 1785 Euro. Die Höhe des Lohns dürfte für den früheren Topmanager Middelhoff aber keine große Rolle spielen. Das Geld geht direkt an den Insolvenzverwalter, wie sein Rechtsanwalt Hartmut Fromm erläutert. Middelhoff hatte vor gut einem Jahr Privatinsolvenz anmelden müssen. Seine Gläubiger machen Forderungen in Millionenhöhe gegen ihn geltend.

Middelhoff soll nach Angaben seines Anwalts Fromm seine Haft am 6. Mai antreten. Im günstigsten Fall wird er unter Anrechnung der Untersuchungshaft noch gut ein Jahr Haft verbüßen müssen, heißt es aus Justizkreisen. Als Freigänger im offenen Vollzug müsste Middelhoff zwar die Nächte in der Haftanstalt verbringen, könnte tagsüber aber in Bethel arbeiten. Und es gäbe für ihn früher oder später auch die Möglichkeit, am Wochenende zumindest hin und wieder Langzeitausgang von Sonnabendmorgen bis Sonntagabend zu erhalten. Ein Privileg wäre dies nicht. Fast ein Viertel der Häftlinge in Nordrhein-Westfalen verbüßt nach Angaben des Justizministeriums die Strafe im offenen Vollzug.

Doch mag Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm den neuen Arbeitsplatz seines Mandanten nicht allein in diesem Licht sehen. Er betonte kürzlich in einem Interview: „Herr Middelhoff freut sich auf seine neuen Aufgaben im sozialen Bereich, die er auch – soweit möglich – bei Haftunfähigkeit wahrnehmen würde.“