Berlin –

Bilfinger liefert Anlagenteile für Kohlekraftwerk

Polnischer Staatskonzern PGE setzt auf deutsches Know-how

Berlin.  Während Braunkohlekraftwerke in Deutschland wegen des hohen CO2-Ausstoßes in Verruf geraten sind, setzt etwa Polen weiter auf Strom aus Braunkohle. Der Staatskonzern PGE plant im südwestlichsten Zipfel des Landes in unmittelbarer Nachbarschaft Zittaus einen neuen Kraftwerksblock mit rund 500 Megawatt Leistung. Er soll als weltweit erster die neuen verschärften europäischen Emissionsgrenzwerte einhalten. Gebaut wird die Anlage mit reichlich deutschem Kraftwerkswissen.

Generalunternehmer ist Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe aus Duisburg. Das Unternehmen ist unter anderem aus der Energietechnik des ehemaligen deutschen Babcock-Borsig-Konzerns hervorgegangen. Die neue Anlage soll einen Wirkungsgrad von 43 Prozent haben. Das heißt, dieser Anteil der Energie aus der verfeuerten Braunkohle wird in Strom umgewandelt. Kohlekraftwerke herkömmlicher Bauart und dieser Größenordnung kommen in der Regel auf 35 bis höchstens 40 Prozent.

Wesentlichen Anteil am hohen Wirkungsgrad hat Technologie des Konzerns Bilfinger, dessen Tochter Babcock Borsig Steinmüller ein sogenanntes Rauchgaswärmeverschubsystem liefern wird. Dahinter verbirgt sich eine Anlage, die, vereinfacht gesagt, Wärme aus dem Abgas des Kraftwerks auffängt und für die Energiegewinnung verwertet. Das Unternehmen aus Oberhausen, in Teilen ebenfalls aus dem ehemaligen Babcock-Borsig-Konzern hervorgegangen, lässt die Anlage bei ihrer thailändischen Tochter fertigen. Der Auftrag für die Anlage im Kraftwerk Turow hat einen Wert von neun Millionen Euro.

Babcock Borsig Steinmüller gehört zur Bilfinger-Sparte Power, von der der Konzern sich gerne trennen möchte. Power mit Sitz in Oberhausen beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter und setzte zuletzt 1,3 Milliarden Euro im Jahr um. Wegen der Energiewende gibt es kaum Aufträge aus Deutschland. International sieht die Sparte gute Geschäftschancen – allerdings unter einem anderen Konzerndach. Bilfinger will sich auf das Geschäft mit Anlagenbau und Betrieb sowie Gebäude und Service konzentrieren. Auf diesen Feldern setzen knapp 60.000 Mitarbeiter mehr als sechs Milliarden Euro um. Allerdings gibt es Unruhe im Konzern: Chef Per H. Utnegaard hört nach knapp einem Jahr im Unternehmen Ende April auf. Ein Nachfolger steht noch nicht offiziell fest.

Babcock Borsig Steinmüller hat einen Standort auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde nordöstlich von Cottbus.