Landwirtschaft

Bauern, Handel, Politiker – Alle streiten um den Milchpreis

Der Milchpreis fällt weiter. Die Landwirte stöhnen, aber die Discounter weisen die Schuld zurück. Nun sollen die Politiker eingreifen.

Die Trinkmilch im Planschbecken. Mit drastischen Mitteln protestierten Milchbauern bei der letzten Agrarministerkonferenz gegen den Preisverfall ihres Produkts.

Die Trinkmilch im Planschbecken. Mit drastischen Mitteln protestierten Milchbauern bei der letzten Agrarministerkonferenz gegen den Preisverfall ihres Produkts.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Berlin.  Der Handel wehrt sich gegen den Vorwurf von Bauern und Politikern, für die Preismisere der deutschen Landwirtschaft verantwortlich zu sein. „Wer Supermärkte und Discounter verantwortlich macht, redet am Thema vorbei“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Die Preisbildung für Milch und Fleisch erfolgt auf dem Weltmarkt.“

Die Tiefpreisphase sei letztlich Folge einer verfehlten Agrarpolitik, die ausschließlich auf eine Ausweitung der Produktion gesetzt habe, betonte Genth. „Das Ergebnis sehen wir jetzt: Es ist einfach zu viel Ware auf dem Markt.“ Molkereien säßen auf großen Milchseen und unterböten sich wegen des Überangebots gegenseitig.

Experten prophezeien weiteren Preisverfall

Tatsächlich dürfte trotz der massiven Bauernproteste der Milchpreis in Deutschland wahrscheinlich in den nächsten Wochen noch einmal deutlich sinken. Nach einem Bericht der „Lebensmittel Zeitung“ (Bezahlinhalt) hat der Einzelhandel in der aktuellen Preisrunde erste Verträge abgeschlossen, die die Milch für den Verbraucher noch einmal um rund zehn Cent pro Liter billiger machen könnten.

Wenn der Handel die Nachlässe wie gewöhnlich an die Kunden weitergebe, werde der Preis für einen Liter Vollmilch von 59 auf 49 Cent sinken, berichtete das Fachblatt. Das entspräche dem Niveau von 2009. Auch Quark und Frischkäse würden voraussichtlich deutlich billiger. Handelskreise bestätigten die Tendenz des Berichts.

Minister Schmidt lehnt Rückkehr zur Milchquote ab

„Natürlich geben wir diesen Preisvorteil an unsere Kunden weiter“, sagte HDE-Geschäftsführer Genth nun. „Selbst wenn wir den Milchpreis um 20 Cent raufsetzen, wird das den Bauern nicht helfen.“ Nur zwölf Prozent der Rohmilch gelangten als Frischmilch in die Supermarktregale. Der Rest werde von Molkereien weiterverarbeitet oder gehe in den Export: „Der Handel kann die Misere nicht lösen.“

Erst kürzlich hatten die Agrarminister der Bundesländer gefordert, Bauern und Molkereien sollen angesichts der Preismisere freiwillig weniger Milch produzieren – und dazu möglicherweise staatliche Anreize erhalten. Die Länder forderten den Bund auf, Geld dafür bereitzustellen oder bei der EU einzuwerben. Drücke das nicht spürbar die Milchmenge, solle der Bund die EU dazu bringen, den Ausstoß vorübergehend entschädigungslos zu drosseln. Ein Zurück zur Milchquote lehnte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ab. (dpa/rtr)