Essen –

RWE steckt tief in der Krise

Aufstand der Kommunen bei Hauptversammlung bleibt aber aus

RWE-Chef Peter Terium sprach gerade vom „Ausnahmezustand“, als Umweltaktivisten die Bühne der Hauptversammlung stürmten und „Eure Zeit ist abgelaufen“ skandierten. Es kam zu Tumulten. Ein Demonstrant klammerte sich an ein Geländer neben der Bühne. Polizisten und Sicherheitsleute eilten herbei und trugen die Aktivisten aus dem Saal. Mehrere Minuten dauerte es, bis sich die Lage entspannte und Terium seine Rede fortsetzen konnte.

Der Ausnahmezustand, über den der RWE-Chef sprechen wollte, war eigentlich ein anderes Thema. Terium ging es darum, die schwierige Lage im traditionellen Kerngeschäft des Konzerns zu beschreiben – und um politische Unterstützung zu werben. Denn in der konventionellen Stromerzeugung brechen RWE die Gewinne weg. Das Unternehmen, das jahrzehntelang vor allem auf Kohle und Kernkraft gesetzt hat, muss sich neu erfinden.

Ein radikaler Neustart steht RWE nun bevor: Mehr als 40.000 der rund 60.000 Mitarbeiter sollen in eine neue Tochterfirma (Newco) für die zukunftsfähigen Sparten wechseln und sich um Öko-Energie, Vertrieb und Netze kümmern. Beim alten RWE-Konzern bleiben dann nur noch das angeschlagene Geschäft mit alten Kraftwerken und der Energiehandel. Für Ende des Jahres plant RWE einen Börsengang der Newco. Durch die Ausgabe neuer Aktien sollen finanzielle Mittel in den Konzern fließen, um die Geschäfte mit Zukunftsperspektive voranzubringen.

Mit dem Konzernumbau verschiebt sich auch die Macht im Unternehmen. Die traditionell einflussreichen kommunalen Anteilseigner, die rund 25 Prozent der RWE-Aktien halten, verlieren an Einfluss. Terium hat den RWE-Stammaktionären, zu denen Städte wie Essen, Mülheim und Dortmund gehören, eine Dividenden-Nullrunde verordnet. Die kommunalen Aktionäre waren auch deshalb sauer, weil die Pläne des Vorstands veröffentlicht wurden, bevor der RWE-Aufsichtsrat zustimmen konnte. Zur großen Abrechnung auf offener Bühne kam es aber nicht. Nach Treffen mit Vorstand und Aufsichtsrat haben sich die kommunalen Aktionäre dazu entschieden, die Gemüter zu beruhigen. „Krawall machen ohne Folgen ergibt keinen Sinn“, sagte Ernst Gerlach, Chef des Verbands der kommunalen RWE-Aktionäre, am Rande der Hauptversammlung.