Wettbewerbsverzerrung

EU-Kommission nimmt Googles Android ins Visier

Die EU-Wettbewerbshüter weiten das Google-Verfahren aus. Nun wird das Betriebssystem Android geprüft, es droht eine Milliardenstrafe.

Kooperationen mit Google sind für Smartphone-Herstellern oft die einzige Option. Die EU-Kommission fürchtet allerdings Wettbewerbsverzerrung.

Kooperationen mit Google sind für Smartphone-Herstellern oft die einzige Option. Die EU-Kommission fürchtet allerdings Wettbewerbsverzerrung.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Brüssel.  Die EU-Kommission wirft Google vor, mit seinem Android-System den Wettbewerb im Smartphone-Markt zu behindern. Damit nehmen die europäischen Kartellwächter eine zentrale Säule des Google-Geschäftsmodells ins Visier.

Die Kommission stört sich unter anderem daran, dass Hersteller von Android-Geräten mit integrierten Diensten des Konzerns zwingend auch die Google-Suche und den Web-Browser Google Chrome vorinstallieren müssten. Außerdem werde Anbietern von Smartphones mit Google-Diensten verboten, gleichzeitig auch Geräte mit abgewandelten Android-Versionen zu verkaufen. Und der Konzern biete Herstellern und Mobilfunk-Betreibern finanzielle Anreize dafür, dass sie ausschließlich die Google-Suche auf den Geräten vorinstallieren.

Die Kommission sei besorgt, dass Googles Verhalten Verbrauchern geschadet habe, weil der Wettbewerb gebremst worden sei, sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. „In Europa kann man dominant sein – aber man darf seine dominierende Marktposition nicht missbrauchen.“

Der Konzern widersprach, sein Betriebssystem fördere hingegen die Vielfalt im Mobilfunk-Markt. „Android hat zur Entstehung eines breiten und vor allem nachhaltigen wirtschaftlichen Ökosystems geführt, das auf Open-Source-Software und offener Innovation basiert“, erklärte Google-Vizepräsident Kent Walker.

Google entwickelt Android-Software

Android ist das meistbenutzte Smartphone-System der Welt. Die Google-Software bringt über 80 Prozent der derzeit verkauften Computer-Telefone zum laufen. Und in Europa arbeiten mit ihr nach Berechnungen von Marktforschern gut zwei Drittel der Smartphones, die aktuell im Umlauf sind.

Die Software wird bei Google entwickelt und Geräteherstellern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie können sie auch Android-Geräte komplett ohne Google-Dienste produzieren und das Betriebssystem nach eigenem Geschmack weiterentwickeln – etwa Amazon macht das bei seinen Kindle-Fire-Tablets.

Wenn Hersteller Google-Dienste wie Karten oder E-Mail auf ihren Geräten anbieten wollen, müssen sie ein Paket aus elf Apps des Internet-Konzerns auf den Geräten vorinstallieren, die nicht gelöscht werden können. Der Internet-Konzern erklärt diese Anforderung damit, dass die verschiedenen Google-Dienste Daten untereinander austauschen müssten, um wirklich nützlich zu sein. Die Verbraucher könnten aber auch uneingeschränkt Apps anderer Anbieter nutzen. Zahlen müssen die Hersteller für den Einsatz von Google-Apps nicht.

In Europa werden die weitaus meisten Smartphones mit vorinstallierten Google-Apps verkauft. In China, wo keine Dienste des Internet-Konzerns verfügbar sind, dominiert hingegen die Google-freie Android-Variante.

Erste Ermittlungen vor einem Jahr eingeleitet

Aus Sicht der Kommission verfolgt Google das Ziel, mit Hilfe von Android seine marktbeherrschende Stellung bei der allgemeinen Internetsuche aus. „Unsere bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Google durch sein Verhalten den Verbrauchern eine größere Auswahl an mobilen Anwendungen und Dienstleistungen vorenthält(...)“, sagte Vestager.

Die Behörde hatte erste Ermittlungen zur Wettbewerbssituation bei Android vor einem Jahr eingeleitet. Die Kommission verschickte jetzt in diesem Fall offizielle Beschwerdepunkte an den US-Konzern. Dieser kann sich nun ausführlich zu den Bedenken äußern. Die Android-Untersuchung ist Teil eines größeren EU-Verfahrens gegen Google.

Falls die europäischen Wettbewerbshüter ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, droht dem Unternehmen ein Bußgeld von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft. (dpa)