Finanzkrise

US-Geldinstitute sind die gefährlichsten Banken der Welt

US-Großbanken sind im Fall einer Pleite weiterhin eine Gefahr für das Finanzsystem. Das würde auch der deutsche Verbraucher spüren.

Die Zentrale von Morgan Stanley am Times Square in New York.

Die Zentrale von Morgan Stanley am Times Square in New York.

Foto: REUTERS / MIKE SEGAR / REUTERS

Washington.  Das Geschäft der großen amerikanischen Banken steckte im ersten Quartal in schweren Turbulenzen. Rutschende Kurse haben bei Goldman Sachs und Morgan Stanley Gewinneinbrüche von bis zu 60 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten in 2015 hinterlassen. Ursache: Kredite an Ölproduzenten, die unter sinkenden Rohstoffpreisen leiden. Dazu droht Ungemach von den Aufsichtsbehörden.

Acht Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, die durch den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst wurde, sind die wichtigsten Kreditinstitute des Landes immer noch nicht für einen erneuten Ernstfall gerüstet. Sie könnten wegen ihrer Größe bei einer Pleite weiter das ganze Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen. Zu diesem Urteil kommen die US-Notenbank (Fed) und der Einlagensicherungsfonds (FDIC). Die Aufseher haben die „Testamente“ der Institute als unzureichend zurückgewiesen.

Darin müssen die Großbanken seit sechs Jahren detailliert den Nachweis führen, wie sie im Falle einer Pleite ein Insolvenzverfahren abwickeln wollen, das den Steuerzahler schont, die Allgemeinheit aus der Geiselhaft der Finanzindustrie befreit und Kettenreaktionen im Finanzsektor verhindert.

Kontrolleure sind unzufrieden

„Es soll kein Institut mehr geben, das so groß ist, dass die Steuerzahler es mit teuren Finanzspritzen am Leben erhalten müssen, um noch größeren Schaden zu vermeiden“, lautet die Marschroute im US-Kongress. 2008 konnten die betroffenen US-Banken nur mit staatlichen Hilfen in Milliardenhöhe stabilisiert werden. Seit 2010 verlangt das Dodd-Frank-Finanzreformgesetz von systemrelevanten Banken minutiöse Pläne für die Eigenvorsorge.

Bei fünf Häusern – Bank of New York Mellon, JP Morgan Chase, Wells Fargo, Bank of America und State Street – haben die Kontrolleure die Krisenvorsorge als „nicht glaubwürdig“ bezeichnet. Sie müssen bis zum 1. Oktober nacharbeiten. Sind die Konzepte dann immer noch unzulänglich, können die Aufsichtsbehörden Zwangsmaßnahmen verhängen. Sie reichen von höheren Eigenkapitalquoten bis zur Umstrukturierung ganzer Bankenteile. Das Bankenquintett steht für Einlagen im Wert von rund fünf Billionen Euro.

Von der Kritik der Regulierungsbehörden ist nur die Citigroup ausgenommen. Im Fall von Goldman Sachs konnten sich die Fed und die Einlagensicherungsbehörde nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen. Ebenso bei Morgan Stanley. Beide Banken sind bis zur nächsten Prüfung im Sommer 2017 vorläufig aus der Schusslinie.

Auffällig: Wie schon in den Vorjahren war Thomas Hoenig, der stellvertretende Vorsitzende der FDIC, kritischer als der Chef Martin Gruenberg. Die vorgelegten Pläne zeigten nicht, dass die Banken „stark genug sind, um eine größere Krise aus eigener Kraft abzuwettern“, vor allem dann nicht, wenn mehrere große Institute scheitern sollten. Anders formuliert: Sollte acht Jahre nach der Lehman-Pleite abermals eine große Bank dramatisch in Schieflage geraten, müsste das Institut wieder mit Steuergeldern gerettet werden.

Banken reagieren verstimmt auf die „roten Karten“

Hoenigs Bewertung ist Wasser auf die Mühlen des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Er fordert die Zerschlagung der Großbanken auf eine Größe, die im Falle des Scheiterns nicht mehr die komplette Finanzarchitektur erschüttern kann.

Die abgemeierten Banken reagierten verstimmt auf die „roten Karten“. „Wir sind enttäuscht“, erklärte JP Morgans Chef Jamie Dimon, „aber wenn andere Firmen die Anforderungen der Kontrolleure erfüllen können, dann wäre ich überrascht, wenn uns das nicht auch gelänge.“ Bei Wells Fargo fiel die Bestandsaufnahme der Aufsichtsorgane noch desaströser aus. Von „sachlichen Irrtümern“ ist dort Rede. Der Bank of America rieten die Aufpasser schlicht zu einer Überholung der Computermodelle. Der geschätzte Liquiditätsbedarf im Fall einer Pleite sei zu niedrig.

Ob vier ausländische Häuser mit signifikanten US-Geschäftsanteilen für den Krisenfall gerüstet sind, zeigt sich in den nächsten Wochen. Auf dem Prüfstand stehen dann: Barclays, Credit Suisse, UBS und die Deutsche Bank.