Werkverträge

Rossmann wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik

Rossmann soll laut einem Bericht über eine Leiharbeitsfirma Regalarbeiter beschäftigen. Einige klagen nun über schlechte Bezahlung.

Die Hauptzentrale des Rossmann-Unternehmens in Niedersachsen. Regaleinräumer kritisieren laut einem Medienbericht die Arbeitsbedingungen.

Die Hauptzentrale des Rossmann-Unternehmens in Niedersachsen. Regaleinräumer kritisieren laut einem Medienbericht die Arbeitsbedingungen.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Hamburg.  Die Drogeriemarktkette Rossmann gerät wegen der Arbeitsbedingungen bei einem Subunternehmen in die Kritik. Wie das Magazin „Stern“ in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, sollen Beschäftige, die in Rossmann-Filialen Regale einräumen, über unwürdige Arbeitsbedingungen und schlechte Löhne klagen. Dabei gilt die Firma Rossman eigentlich als Vorzeigearbeitgeber.

Tausende Regaleinräumer sollen laut „Stern“ über Werkverträge in den Rossmann-Filialen arbeiten. Diese würde das Potsdamer Unternehmen promota.de stellen, das bis vor Kurzem als Instore Solutions Services GmbH (ISS) firmierte. Die Dienste der ISS würde Rossmann in deutlich größerem Umfang als bisher bekannt nutzen, heißt es in dem Bericht. Allein im Jahr 2012 habe Rossmann dafür 33,7 Millionen Euro an das Subunternehmen gezahlt.

Beschäftigte bei Firma ISS klagen über Behandlung

Instore Solutions Services GmbH und die Tochterunternehmen Impuls One und Tempus sind laut „Stern“ umstritten. Ehemalige und derzeitige Beschäftige klagen über die Behandlung der Mitarbeiter. „Ich fühlte mich wie ein Sklave behandelt", zitiert das Magazin eine ehemalige Teamleiterin, die in Rossmann-Filialen in Nordbayern gearbeitet hatte.

Dem Magazin liegen nach eigenen Angaben auch Unterlagen vor, die belegen, dass das Unternehmen bis Ende 2014 in Westdeutschland an Regaleinräumer teils lediglich 6,63 Euro pro Stunde, im Osten 6,12 Euro zahlte. Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns werden verbreitet 8,50 Euro gezahlt – auch in Städten wie München, in denen die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind.

Die Drogeriemarktkette Rossmann, die erst kürzlich mit einem Übernahme-Angebot für den Hamburger Konkurrenten Budnikowsky abgeblitzt ist, widerspricht der Darstellung. Gegenüber dem „Stern“ hieß es, das Subunternehmer zahle im Raum München Löhne von „über 10 Euro". Auch eine ungewöhnlich große Unzufriedenheit der Mitarbeiter habe man nicht feststellen können. Die Firma ISS sprach von einem „guten Betriebsklima".

Rossmann hatte wohl Anteile an ISS über Strohmann

Laut „Stern“ werden die Mitarbeiter von ISS auf der Basis von Tarifverträgen mit der Gewerkschaft DHV aus dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) beschäftigt. Doch diese Verträge seien umstritten. So urteilte das Arbeitsgericht Hamburg 2015, dass die DHV „nicht tariffähig“ sei. Anfang Mai soll das Landesarbeitsgericht in dem Fall entscheiden.

Wie der „Stern“ herausfand, hielt Rossmann Anteile an ISS zehn Jahre lang über einen Strohmann, einen Gärtner aus Soltau. Rossmann bestätigte dem „Stern“, dass Inhaber Dirk Rossmann diesen zuerst als Treuhänder eingesetzt hatte. Die sei mit dem Ziel geschehen, die „Seriosität“ der Firma zu prüfen. Später hätte man „vergessen“, dieses Verbindung zu beenden. Erst 2012, nachdem die Verbindung von Rossmann mit ISS publik geworden war, habe man das Treuhand-Modell beendet. (jha)