Landwirtschaft

Bundesregierung setzt sich für Pflanzengift Glyphosat ein

Geht es nach Deutschland, bleibt das Pflanzengift Glyphosat in der EU erlaubt. Laut WHO löst das Mittel wahrscheinlich Krebs aus.

Proteste in Hamburg gegen den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat im März.

Proteste in Hamburg gegen den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat im März.

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin/Paris.  Die Bundesregierung will sich einem Zeitungsbericht zufolge bei der EU für die weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat aussprechen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, geht das aus einem Schreiben des Bundeslandwirtschaftsministeriums an die EU-Kommission hervor. Auf Druck des Bundesumweltministeriums soll es aber Einschränkungen beim Einsatz des Pflanzengifts geben.

Deutschland sei „sehr offen für das Anliegen einiger Mitgliedstaaten“, Glyphosat zur Steuerung des Erntetermins auszuschließen, heißt es. Mit dem Mittel können Pflanzen abgetötet und damit gleichzeitig zur Reife gebracht werden. Zudem will die Bundesregierung dem Zeitungsbericht zufolge eine Textpassage zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Genehmigungsverordnung verankern.

Weitere Zulassung von Glyphosat wahrscheinlich

Mit einer deutschen Zustimmung zur weiteren Zulassung von Glyphosat in der EU wird die Wiedergenehmigung immer wahrscheinlicher. Das Mittel ist umstritten, stößt vor allem bei Umwelt- und Naturschützern auf vehemente Ablehnung. Auch die Weltgesundheitsorganisation sieht Glyphosat skeptisch.

Konträr zur deutschen Politik macht sich Frankreich daran, den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat zu verbieten. Herbiziden, die Glyphosat und das Tensid Tallowamin kombinieren, solle die Zulassung entzogen werden, teilte die Behörde für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Anses) am Freitag mit.

WHO: Glyphosat löst wohl Krebs aus

Ein entsprechendes Schreiben sei in den vergangenen Tagen an die Hersteller verschickt worden, sagte Vize-Generaldirektorin Francoise Weber. Das Amt habe solche Mittel getestet, nachdem im November veröffentlichte Ergebnisse der EU-Lebensmittelbehörde (Efsa) auf die Möglichkeit größerer Risiken als bei reinen Glyphosat-Mitteln hindeuteten.

Von dem Verbot betroffen ist unter anderem der US-Marktführer Monsanto, der die Debatte darüber in Europa als politisch bezeichnete. Hintergrund ist ein auch in Deutschland seit vergangenem Jahr schwelender Streit über die von Glyphosat möglicherweise ausgehenden Risiken.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge kann Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen. Die EU-Agentur Efsa hatte dagegen erklärt, der Unkrautvernichter sei wohl nicht krebserregend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) war derselben Ansicht. Eine Entscheidung der EU über eine Weiterverwendung des Mittels steht noch aus. Zuletzt war Glyphosat in die Schlagzeilen geraten, weil es in Bier nachgewiesen wurde. (epd/rtr)