Stuttgart –

Brummi unter Strom

Nutzfahrzeughersteller arbeiten an E-Lastwagen. Die ersten Tests mit den Fahrzeugen laufen

Stuttgart.  „Paris funktioniert auch ohne Autos“, mit dieser Kampfansage hat Bürgermeisterin Anne Hidalgo im Herbst die französische Hauptstadt für einen Sonntag zur autofreien Zone erklärt. Angesichts der Debatte um Abgase und Feinstaub könnten Einfuhrverbote für Dieselfahrzeuge, wie sie in Paris diskutiert werden, auch Nutzfahrzeuge treffen. Viele Hersteller tüfteln deshalb an Ideen, wie auch Lastwagen und Transporter elektrisch fahren können, berichtet NordLB-Analyst Frank Schwope. Elektromobilität könne die Abgaswerte im innerstädtischen Verkehr durchaus entlasten.

Siemens, Scania und Volvo etwa testen Lastwagen mit Stromabnehmern für Langstrecken. Die Elektro-Lkw können aber nur auf Straßen fahren, die mit Oberleitungen ausgestattet sind, bisher ein eher exotisches Modell zum Beispiel für Autobahnen. Siemens sieht gute Chancen auf viel befahrenen Pendelstrecken. So gibt es in Kalifornien in der Nähe des Hafens von Los Angeles und in Schweden je eine Teststrecke. Und in der Uckermark probiert Siemens die Oberleitungs-Lkw ebenfalls aus – auf einem stillgelegten Flugplatz.

Kommerziell richtig erfolgreich sind E-Laster bisher nicht. Erste Versuche stießen noch auf wenig Kundeninteresse: Daimler hatte 2012 einen Transporter mit E-Antrieb – ohne Oberleitung – auf den Markt gebracht, das Angebot aber mangels Nachfrage wieder eingestellt. Wer bislang einen Elektro-Brummi kaufen will, lässt deshalb meist umrüsten. Die Firma Orten in Bernkastel-Kues an der Mosel etwa hat in diesem Jahr einen elektrischen 7,5-Tonner auf den Markt gebracht. Elektrofahrzeuge Stuttgart (EFA-S) in Baden-Württemberg ist auf E-Antriebe für Transporter spezialisiert und beliefert etwa den Paketdienst UPS.

Die Deutsche Post setzt gar auf eine eigene Entwicklung: Sie baut den Elektro-Transporter „Streetscooter“ in Serie. Nach und nach will das Unternehmen bis zu 30.000 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzen. Streetscooter wurde 2010 gegründet, die Post kaufte die Firma dann.

Auch die großen Nutzfahrzeughersteller forschen an Möglichkeiten, Elektroantriebe einzusetzen. Der zum Volkswagen-Konzern gehörende Lkw-Hersteller MAN will erst auf der Branchenschau IAA im Herbst Technologien für die Elektromobilität zeigen.

Andere sind weiter: Daimler etwa stattet den kleinen Lastwagen seiner Marke Fuso Canter in einer Kleinserie mit Elektromotoren aus. Bei einem Testlauf in Portugal waren die Fahrzeuge im Schnitt 50 Kilometer pro Tag unterwegs. Die Batterien hätten aber auch für Reichweiten von bis zu 109 Kilometern gereicht. Jetzt fahren ähnliche Fahrzeuge durch Stuttgart. Seit Montag rollen ein Jahr lang fünf Sechstonner durch Baden-Württembergs Landeshauptstadt – vier für die Stadt, einer für den Paketdienst Hermes. Serienreif sind die E-Laster allerdings noch nicht.

Renault Trucks versucht es eine Nummer größer: Der französische Lkw-Bauer, der zur Volvo-Gruppe gehört, hat ein 16 Tonnen schweres Versuchsfahrzeug an den französischen Kosmetikkonzern Guerlain und die französische Post geliefert. Für Guerlain legt er täglich mehr als 200 Kilometer zurück, muss über einen Einsatzzyklus von 24 Stunden aber mehrmals aufgeladen werden. Die Strecke ist so ausgelegt, dass er tagsüber zweimal nachgeladen und zwischen 19 und zwei Uhr komplett aufgeladen werden kann.

Einen 4,5-Tonner mit Elektroantrieb verkauft Renault bereits – wenn auch nicht in Deutschland. „Die Nachfrage ist immer noch auf einem niedrigen Niveau, weil elektrische Fahrzeuge immer noch eine erhebliche Investition für die Kunden darstellen“, sagt eine Sprecherin. Der 16-Tonnen-Lastwagen unter Strom soll 2020 für die Kunden rentabel sein.