Allianz

Telematik-Tarife: Wer sich überwachen lässt, zahlt weniger

Die Allianz bietet Autofahrern Telematik-Tarife an. Dabei entscheidet die Fahrweise des Fahrzeughalters über den Versicherungspreis.

Die Allianz setzt mittlerweile auf einen Telematik-Tarife für die Autoversicherung.

Die Allianz setzt mittlerweile auf einen Telematik-Tarife für die Autoversicherung.

Foto: Armin Weigel / dpa

Berlin.  Sage mir, wie Du fährst, und ich sage Dir, was Du zahlst: Nach diesem Prinzip sollen die neuen Telematik-Tarife der Autoversicherer funktionieren und umsichtige Fahrer durch Preisnachlässe belohnen. Nach monatelangen Tests bringt die Allianz jetzt ihren Tarif auf den Markt. Datenschützer sehen das eher mit Sorge.

Junge Autofahrer müssen sich bei der Allianz künftig entscheiden, ob sie ihren Fahrstil von der Versicherung überwachen lassen, um Geld zu sparen. Wer vorsichtig fährt, zahlt damit weniger. Allerdings gilt das Prinzip auch umgekehrt: Wer die Überwachung nicht akzeptiert, muss die volle Versicherungsprämie zahlen.

„Wer auf Basis von Daten seine Fahrweise hinterfragt, wird sie hoffentlich auch verbessern“, sagte der Chef der Allianz Deutschland, Manfred Knof, am Donnerstag bei der Vorstellung des Tarifs in Ismaning bei München. Der Konkurrent Huk-Coburg startet in den kommenden Monaten mit einem ähnlichen Angebot.

Damit verlassen die Telematik-Tarife in Deutschland den Laborstatus und werden zu einem breiten Angebot für Autofahrer. Antworten auf die wichtigsten Fragen dazu:

Wie funktioniert der Tarif?

Die Höhe der Versicherungsprämie hängt von der Fahrweise ab. Bei der Allianz wird per Smartphone-App ermittelt, wie stark der Fahrer bremst und beschleunigt, ob er das Tempolimit einhält oder zu rasant in die Kurven fährt. Die Allianz vergibt für jede Fahrt eine Wertung: Maximal gibt es 100 Punkte und damit eine virtuelle Goldmedaille.

Wer dieses Ergebnis auch dauerhaft erreicht, erhält nach einem Jahr 30 Prozent des Versicherungsbeitrags zurück. Zusätzlich gibt es 10 Prozent Rabatt für die Nutzung des Tarifs. Ein Fahranfänger mit Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung, der normalerweise 1000 Euro pro Jahr zahlt, könne so bis zu 400 Euro sparen.

Damit der Kunde das Smartphone nicht in das Auto seiner Oma legt, wird das versicherte Fahrzeug mit einem Bluetooth-Stecker im Zigarettenanzünder ausgestattet, der sich mit dem Handy verbindet.

Bieten auch andere Versicherungen diese Tarife an?

Als einer der Ersten hatte die Sparkassen-Direkt-Versicherung Telematik-Boxen einbauen lassen. Nach den ersten 1000 Boxen wurde das Projekt Ende 2015 aber auf Eis gelegt. „Die Kundenzufriedenheit war sehr hoch, leider aber auch die Kosten“, erklärte das Unternehmen. Derzeit arbeite man an einer preisgünstigeren Variante.

Auch die VHV Versicherung in Hannover steckte viel Geld in ein Telematik-Angebot und wartet seitdem auf Kunden: Bis Ende 2016 sollen 3000 Verträge abgeschlossen sein. Bisher seien es aber erst rund 300, bestätigte ein Sprecher einen Bericht der „Wirtschaftswoche.“

Was bringen den Versicherungen die Telematik-Tarife?

Die Allianz wendet sich an Fahrer bis 28 Jahre. Sie sind im Gegensatz zu langjährigen Autofahrern für die Unternehmen ein größeres Risiko, weil sie besonders häufig in Unfälle verwickelt sind. Für die Kfz-Haftpflicht zahlen Anfänger daher wesentlich höhere Prämien als erfahrene Fahrer ohne Unfälle - egal, ob sie Verkehrsrowdys oder vorsichtige Fahrer sind. Im umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen versprechen sich die Anbieter Wettbewerbsvorteile, weil sie den überwachten Fahrern günstigere Tarife anbieten können.

Welche Nachteile gibt es bei dieser Form der Autoversicherung?

Wer einen Telematik-Tarif nutzt, zahlt mit seinen Daten. Regelmäßig müssen die Fahrten-Aufzeichnungen an die Versicherung übermittelt werden. Die Allianz arbeitet mit einem kanadischen Dienstleister zusammen, der die Informationen erhält. Die Allianz selbst habe keinen direkten Zugriff auf die Daten und könne keine persönlichen Informationen daraus ableiten, sagt die Versicherung. „Wer diesen Service nicht haben will, muss ihn nicht nutzen“, betont Knof die Freiwilligkeit des Angebots. Ob die Verkehrssicherheit sich durch die Telematik erhöht, muss sich erst zeigen. Bei der Allianz können Fahrer die Datenübermittlung für einzelne Fahrten unterbrechen – und ohne Aufsicht Gas geben. Solange genügend Fahrten erfasst werden, gilt der Tarif auch dann.

Wird die Autoversicherung billiger?

Je nachdem: Wer den Tarif nicht wählt, zahlt mehr. Die Verbraucherzentrale Bayern befürchtet aus diesem Grund langfristig steigende Preise für alle, die sich nicht überwachen lassen wollen. Das Vergleichsportal Check24 sieht auch die Gefahr mangelnder Transparenz. „Telematiktarife machen Beiträge für Verbraucher zunächst undurchsichtiger und bergen die Gefahr verdeckter Preiserhöhungen“, sagt Geschäftsführer Christoph Röttele. Fair für den Verbraucher sei es nur, wenn Versicherer offenlegen, wie sich das Verhalten im Verkehr konkret auf die Beiträge auswirkt.

Was sagen Datenschützer zu den Telematik-Tarifen?

Datenschützer sehen die neuen Tarife mit Sorge. Meistens würden die Kunden-Daten von externen Dienstleistern der Versicherer ausgewertet und daraus ein Score-Wert, eine Art Bewertung des Kunden erstellt, sagt Sven Polenz, Referatsleiter beim unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein. Damit könnten aber auch Ungerechtigkeiten einhergehen: „Wenn festgestellt würde, dass Nachtfahrer mehr Unfälle machen, bekommen Nachtfahrer schlechtere Tarife“, so der Experte. Ein solches Scoring ohne wissenschaftliche Grundlage sei verboten. Problematisch sei auch die Auswertung von Gesundheitsdaten. Unklar sei, wie diese sensiblen Daten übertragen werden. Bei entsprechenden Apps gelangten die Daten auch an die Telefonprovider der Nutzer.