Schienenverkehr

Bahn-Chef verspricht mehr Service durch Digitalisierung

Weniger Schienen-Defekte und Verspätungen, mehr Informationen für den Kunden: Bahn-Chef Grube kündigt Reisenden Verbesserungen an.

Eine Regionalzug der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof in Berlin: Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns hat umfassende Neuerungen angekündigt.

Eine Regionalzug der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof in Berlin: Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns hat umfassende Neuerungen angekündigt.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Osnabrück.  Die Bahn will künftig verstärkt in die Digitalisierung investieren, um Verspätungen und damit den Unmut der Kunden zu verhindern. „Mit speziellen Sensoren für unsere 70.000 Weichen können wir demnächst schon frühzeitig etwa durch erhöhten Stromverbrauch erkennen, dass sich eine Störung anbahnt“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Unser Wartungsteam ist dann schon vor Ort, bevor es hakt.“ Damit will der Konzern Defekte an den Weichen und Ausfälle verhindern.

Außerdem soll der Service für Reisende verbessert werden. Der Vorstandsvorsitzende Grube kündigte in dem Gespräch mit der Zeitung etwa an, dass die Einfahrt der Wagen in umgekehrter Reihenfolge in Bahnhöfe schon bald der Vergangenheit angehören werde. Darüber hinaus will der Konzern den Informationsfluss zum Kunden verbessern – und Wartezeiten somit vermeiden. „Wir arbeiten mit großem finanziellen Aufwand daran, unsere Reisendeninformation grundlegend zu verbessern. Außerdem arbeiten wir an einer App, die präzise darüber informiert, wann ein gebuchter Zug einfährt.“

Rote Zahlen setzen Grube unter Druck

Sorgen, dass ältere Fahrgäste durch neue digitale Service-Angebote ausgegrenzt würden, hat Grube nicht. „Mehr als die Hälfte aller Buchungen im Fernverkehr findet bereits online statt“, sagte er. „Und von wegen, das sind nur junge Leute: Das Durchschnittsalter der Online-Bucher liegt bei 47 Jahren. Einfachheit, Schnelligkeit und Kundenorientierung wollen Menschen jeden Alters“, fügte der Bahn-Chef hinzu.

Der Konzern ist erstmals seit Jahren in die roten Zahlen gerutscht – vor allem wegen des kriselnden Güterverkehrs. Deshalb war der Druck auf Vorstandschef Grube immer weiter gewachsen. Trotz eines Rekordumsatzes stand unter dem Strich im Jahr 2015 ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Milliardenschwere Sonderabschreibungen auf den Unternehmenswert im Schienengüterverkehr und Extra-Aufwendungen für den Konzernumbau drückten das Ergebnis ins Minus. Im laufenden Jahr will das bundeseigene Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben. Angestrebt ist ein Ergebnis oberhalb von 500 Millionen Euro. (dpa/les)