Berlin –

Daimler glaubt an den Dieselmotor

Konzernchef Zetsche verteidigt Kurs auf Hauptversammlung. Anleger sorgen sich um Risiken

Berlin.  Daimler-Chef Dieter Zetsche stemmt sich gegen die mit dem Abgasskandal bei Volkswagen wachsende Kritik an Dieselmotoren. „Bei Mercedes glauben wir an den Diesel und an die Ingenieurskunst“, sagte Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Berlin. Dennoch sorgt die Affäre auch unter den Daimler-Aktinären für Unruhe. So sprach etwa Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment von „enormen Klage- und Reputationsrisiken für die gesamte Automobilindustrie“.

Auch andere Aktionärsvertreter verlangten mehr Aufklärung. Die Daimler-Aktie hatte wie die Papiere anderer Autobauer nach Bekanntwerden der Manipulation von Dieselmotoren bei Volkswagen deutlich an Wert verloren. Die Stuttgarter hatten stets bestritten, ein sogenanntes Defeat Device, das Testfahrten erkennt, in ihren Motoren zu verwenden.

Neuer Dieselmotor soll strengere Vorgaben einhalten

Obendrein sieht Daimler das Problem der großen Abweichungen zwischen Messwerten aus dem Labor und dem Alltagsbetrieb als gelöst, betonte Zetsche. Eine neue Generation von Dieselmotoren, in die der Konzern 2,6 Milliarden Euro investiert, soll erstmals in der neuen E-Klasse zum Einsatz kommen. Dieser Motor erfülle die in der EU mit dem ab 2017 geltenden neuen Testverfahren RDE stark verringerten Grenzwerte, sagte Zetsche. Gegenüber seinem Vorgänger soll der Diesel 80 Prozent weniger Stickoxid ausstoßen.

Rund zwei Drittel aller in Europa verkauften Pkw haben einen Dieselmotor. Die Diskussion um die Abgaswerte ist bei Daimler an den Verkaufszahlen allerdings nicht ablesbar. Im ersten Quartal stieg der Absatz von Mercedes und Smart gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf knapp 519.000 Fahrzeuge, ein neues Rekordhoch. Dennoch schlug Zetsche nach dem Rekordjahr 2015 zum ersten Quartal vorsichtige Töne an. Mehrere Faktoren hätten das Wachstum von Januar bis März beeinträchtigt. Der Absatz von Kompaktwagen wie der A- und B-Klasse stieg zwar fast um ein Viertel, doch pro Auto fällt hier relativ wenig Gewinn ab. Der Anlauf der neuen E-Klasse sorge zunächst für hohe Kosten und werde erst im zweiten Halbjahr mehr zum Ergebnis beitragen.

Das Nutzfahrzeuggeschäft, das ein Viertel zum Umsatz beisteuert, leidet unter sinkender Nachfrage an Kernmärkten. Das zweite Halbjahr werde wie in der Vergangenheit deutlich besser laufen als das erste, versicherte Zetsche vor den Aktionären. „Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch 2016 ein gutes Jahr für Daimler wird.“

Die Anteilseigner will der Konzern mit einer deutlich erhöhten Dividende von 3,25 Euro (Vorjahr: 2,45 Euro) belohnen.

Deutliche Kritik an weiterer Amtszeit des Chefaufsehers

Für Diskussionen sorgte auf der Hauptversammlung die Erneuerung des Mandats von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Er soll fünf Jahre weitermachen, obwohl er die Altersgrenze von 72 Jahren überschritten hat. Die Satzung lässt das zu. Aktionäre machten sich Sorgen, Bischoff könne nicht immer so gesund und agil bleiben wie jetzt mit seinen 73 Jahren. „Bei einer möglichen Staffelstabübergabe an Herrn Zetsche auf der Hauptversammlung 2021 werden Sie kurz vor Ihrem 79. Geburtstag stehen“, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Eine vorausschauende Nachfolgeplanung sehe anders aus.

Der Aufsichtsratschef versicherte, bei Anzeichen des Altersverfalls werde er den Vorsitz „in geistig frische Hände“ legen. Seine Wiederwahl stellt eine Weiche für den schon länger als ausgemacht geltenden Plan: Vorstandschef Zetsche soll bis Ende 2019 weitermachen und nach einer Karenzzeit von zwei Jahren Bischoffs Posten als oberster Kontrolleur übernehmen. Als Zetsches Nachfolger gilt der jetzige Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius. Ab 2017 soll er sich als neuer Entwicklungschef für den Spitzenjob warmlaufen.